Was ist Embodiment?

Was ist Embodiment?

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht… Aber ich habe das Gefühl, dass Embodiment in den letzten Jahren zu einem Trendthema geworden ist, so dass es in aller Munde ist. Oder geht es nur mir so, weil ich mich so sehr dafür interessiere? 😉

Du bist jedenfalls hier, weil du eine Antwort auf die Frage suchst, was Embodiment ist, egal warum du dich nun mit diesem Begriff beschäftigst.

Ich werde dir hier in dem Artikel keine allumfassende Definition liefern. Ich werde auch nicht wissenschaftliche Definitionen auseinandernehmen. Zumindest beides nicht alleine. Sondern ich werde dir Embodiment aus meinem Verständnis heraus erklären. was für MICH Embodiment ist, zu dem Zeitpunkt, zu dem ich diesen Beitrag schreibe. In ein paar Jahren kann meine Sichtweise auf das Thema durch neue Erkenntnisse und neues Wissen, das ich gesammelt habe, auch wieder anders aussehen.

Du erfährt also heute in diesem Beitrag, was aus meiner jetzigen Sicht Embodiment ist, was es nicht (alleine) ist und auch, was das Nervensystem damit zu tun hat.

Was ist Embodiment? – Eine allgemeine Definition

Wer den Begriff “Embodiment” googelt, findet immer wieder die gleiche Definition: Embodiment ist die Wechselwirkung zwischen Körper und Geist. Ebenfalls immer wieder erwähnt wird die wörtliche Übersetzung “Verkörperung, Inkarnation”.

Letztendlich geht es darum, wie sich Körper, Geist (und ich würde noch ergänzen) Seele gegenseitig beeinflussen.

Machen wir es doch mal ganz praktisch an einem Beispiel: Wenn du traurig bist, wirst du vermutlich eine etwas eingesunkene Körperhaltung einnehmen. Dies ist ein natürlicher Vorgang, da mit Stimmungen und Emotionen auch bestimmte Körperhaltungen einhergehen.

Es ist aber genauso auch umgekehrt: Eine bestimmte Körperhaltung (genauso wie Mimik, Gestik etc.) erzeugt bestimmte Gefühle und Gedanken. Oder hast du dich schon mal traurig gefühlt, wenn du aufrecht gesessen und dabei gelacht hast? Sicher nicht!

Es wurde in Studien nachgewiesen (u.a. in dieser), dass das motorische System einen Einfluss hat auf Gefühle, emotionales Gedächtnis und unser Verhalten.

Bei Embodiment geht es also vor allem darum, wie Körper, Geist und Seele als gesamtes System zusammenwirken und sich gegenseitig beeinflussen. Embodiment beschreibt dabei den aktuellen Seinszustand einer Person und spiegelt, wie diese Person gerade ist. Das wäre so in aller Kürze meine derzeitige Definition des Begriffs.

Alles nur Power Posing? Was Embodiment NICHT ist

Reicht es also aus, einfach nur ein Power Posing zu machen, wenn du dich abgeschlagen, müde, lustlos etc. fühlst? In meinen Augen nein. Zumindest nicht als alleinige Maßnahme.

Ja, die Körperhaltung, Mimik, Gestik etc. haben einen großen Einfluss auf unser Empfinden (wie ja auch schon mehrfach oben erwähnt 😉 ). Wenn du jedoch einfach nur eine Power Pose einnimmst, um dich besser zu fühlen, ohne dein Nervensystem dabei mitzunehmen, wird sich langfristig dennoch nichts ändern.

Das ist so, als würdest du dir immer wieder die Affirmation “Ich bin stark.” (oder was auch immer) innerlich aufsagen. Wenn es aber nicht deiner inneren Wahrheit entspricht, wird diese Affirmation niemals zu deinem neuen Seinszustand, da das Nervensystem dagegen rebellieren wird. Darüber habe ich bereits in meinem Beitrag “3 Tipps, damit Affirmationen für dich wirken” etwas gesagt, warum das so ist.

Ich gehe aber an dieser Stelle auch noch einmal kurz darauf ein.

PowerposeWarum du das Nervensystem unbedingt mitnehmen musst, wenn du dauerhaft deinen Seinszustand verändern willst

Bleiben wir mal bei dem Beispiel mit dem Power Posing: Du fühlst dich schlecht, abgeschlagen, traurig und nimmst eine aufrichtende, kraftvolle Pose ein, um das zu verändern. Für einen Moment wirst du sicher eine Wirkung spüren. Nur sobald du die Pose verlässt, ist es sehr wahrscheinlich, dass deine Stimmung sofort wieder runter geht.

Das passiert dann, wenn dein Nervensystem nicht reguliert ist. Oder anders formuliert: Wenn dein Nervensystem dauerhaft im Stressmodus gefangen ist.

Im Stressmodus passiert nämlich u.a. dies: Der Sympathikus, der Aktivierungsnerv im Körper, ist aktiv. Im aktiven sympathischen Modus ist dein gesamtes inneres System nur auf eins ausgerichtet: Überleben. Alle nicht überlebensrelevanten Teile im Körper werden abgeschaltet und dein Körper schaltet auf Autopilot. Das beinhaltet auch, dass dein präfrontaler Cortex, der Teil deines Gehirns, der für logisches und rationales Denken zuständig ist, nicht angesteuert wird.

Hinzu kommt: Der Körper ist in dem Zustand darauf ausgerichtet, jede Art von Bedrohung “abzuwehren” in Form von Kampf, Flucht oder auch Einfrieren. Eine Bedrohung ist aber nicht zwingend etwas, das du bewusst als solche wahrnimmst. Der Körper bzw. dein Gehirn entscheidet, was als Bedrohung einzustufen ist. Wenn das Gehirn eine Bedrohung sieht, wird eben die Stressreaktion ausgelöst. Und eine Bedrohung für dein Gehirn kann auch sowas sein wie, dass du dir erzählst, wie stark du bist, auch wenn dein Unterbewusstsein anders programmiert ist.

Das ist das, was ich weiter oben meinte mit “Das geht gegen deine innere Wahrheit”.

Wenn du dir nun im gestressten Zustand mit dem Power Posing “einreden” willst, wie toll es dir doch geht, arbeitest du gegen dein Nervensystem, was noch mehr Stress auslöst. Und du hast auch gar keinen Zugriff auf den bewussten Teil deines Gehirns, um ein neues Mindset, einen neuen Glaubenssatz in dir zu verankern, weil dieser Teil ja blockiert ist.

Power Posing und Affirmationen sind also nur ein Draufsprühen von Sahne auf einen Sch… Haufen, wenn dein Nervensystem im Alarmzustand ist: Die Grundlage ist immer noch Sch…, aber halt eben mit Sahne. Essen würdest du das sicher trotzdem nicht, oder? 😉

Deswegen ist es so wichtig, das Nervensystem mit in den gesamten Prozess mitzunehmen. Denn nur wenn du in einem entspannten Zustand bist, kann dein Körper den anderen, gewünschten Seinszustand einnehmen und auch dauerhaft verankern, weil nur dann die Informationen im gesamten System ankommen und sich als neue “Wahrheit” etablieren können.

Side note: Es geht übrigens nicht darum, immer im entspannten Zustand zu sein, sondern ein reguliertes Nervensystem zu haben. Reguliert bedeutet, dass es natürliche Phasen von Aktivierung und Entspannung gibt, die sich abwechseln und wo es keine krassen Ausschläge mehr gibt. Es geht also vielmehr darum, die unterschiedlichen Zustände wahrzunehmen und zu lernen, dich bzw. dein Nervensystem zu regulieren, so dass die Stressreaktion im Körper nicht dauerhaft erhalten bleibt. Denn nur dann ist eine Veränderung deines Seinszustands möglich.

Wie du dein Nervensystem regulieren kannst

Da könnte ich jetzt viele Dinge schreiben und in einigen Blogbeiträgen habe ich auch schon konkrete Tipps gegeben (z.B. hier und hier). Im Grunde sind alle Übungen und Methoden, die darauf abzielen, die Stressreaktion im Körper bewusst zu spüren und loszulassen geeignet. Dazu gehören z.B.

  • Atemübungen / Pranayama / Breathwork
  • Yoga
  • Meditation
  • Achtsamkeitsübungen
  • Tanzen
  • Schütteln
  • Sport
  • uvm.

Finde das, was dir gut tut und was du im jeweiligen Moment brauchst. Das kann variieren, das kann aber auch immer das Gleiche sein. Durch Ausprobieren und Testen wird dir das sicher gelingen! 🙂

Und wenn dein Nervensystem reguliert ist, haben Techniken wie Affirmationen oder Power Posing auch die Wirkung, die sie eigentlich haben sollen. 😉

Was Embodiment für MICH ist – meine persönliche Sichtweise

Embodiment ist für mich so viel mehr als nur über Körperhaltungen zu reden bzw. sie einzunehmen. Embodiment ist für mich einerseits, mit dem Nervensystem zu arbeiten und lernen, es zu regulieren.

Andererseits ist für mich Embodiment aber vor allem, mich selber spüren zu lernen, im Körper anzukommen und in mir zuhause zu sein. Der Körper kommuniziert ständig mit uns, weil er uns etwas sagen will. Er ist also sehr weise und diese Weisheit dürfen wir uns zunutze machen

Der Körper ist für die Zeit unseres irdischen Lebens unser Zuhause und dieser wurde von der Natur mit wunderbaren Mitteln ausgestattet, um unser Überleben zu sichern. Nur leider sind diese uralten Mechanismen in heutigen Zeiten oft eher hinderlich und es bedarf viel bewusster Auseinandersetzung mit diesen Mechanismen, um ihnen nicht mehr hilflos ausgeliefert zu sein.

Gelingt einem das, ist genau DAS das Gefühl von “Ich bin zuhause in mir selbst.”

Fazit

Die Wissenschaft hat keine allgemeingültige Definition vom Begriff “Embodiment”. Ich persönlich finde auch, dass es nicht sein muss, da dieser Bereich eh noch in den Kinderschuhen steckt und sich in den nächsten Jahren sicher unheimlich viel noch zeigen wird.

Insofern kann jede Definition nur eine grobe Beschreibung sein, deren Details aber ohnehin kaum zu erfassen sind. Dafür gibt es einfach noch zu viele Unbekannte in den Neurowissenschaften und immer neue Erkenntnisse, die alte Erkenntnisse teils vollständig widerlegen.

Wichtig für mich ist an dieser Stelle, dass für mich Embodiment mehr ist, als nur über die Wechselwirkung zwischen Körper, Geist und Seele nachzudenken. Es bedarf meiner Meinung nach einer ganzheitlichen und umfassenden Betrachtung, in der das Nervensystem die zentrale Komponente ist, auf die geschaut wird.

Sonst bleibt für mich Embodiment nur ein “hohles Konzept” ohne nachhaltige Wirkung, wie es auch beim bloßen Aufsagen von Affirmationen der Fall ist. Und das wird der Bedeutung von Embodiment dann in meinen Augen nicht gerecht!

 

Was ist Embodiment für dich? Was verstehst du darunter? Hinterlasse mir einen Kommentar unter diesem Beitrag und lass uns darüber ins Gespräch kommen. 🤗 Deine Meinung interessiert mich sehr!

 

See yourself. Be yourself. Free yourself.

Namasté

Deine Claire

Kommentare

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