Ich habe Hunger. Und das obwohl ich erst vor zwei Stunden was gegessen habe. Es ist keine Einbildung, sondern sehr deutlich zu spüren: Da ist gefühlt ein Loch in meinem Bauch und ich habe Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren, weil der Hunger mein ganzes Denken einnimmt.
Aber es ist doch noch nicht Zeit zum Essen… Also esse ich einen Snack, der mir kurzzeitig Energie gibt, mich aber nicht langfristig zufrieden stellt. Also geht weniger als eine Stunde danach alles wieder von vorne los.
So ging es mir bis Frühjahr 2024 durchgehend: ständig Hunger, selten satt und deswegen auch geplagt von Schlafstörungen.
Dann machte ich eine Ernährungsberatung, die alles änderte. Ich lernte, dass ich schon vieles richtig mache, indem ich z.B. viel Gemüse zu mir nehme. Aber ich machte auch einige Fehler, die zu diesem ständigen Hunger führten.
Seit ich an diesen Stellschrauben gedreht habe, ist vieles anders geworden: Ich fühle mich wesentlich satter, snacke nur noch selten zwischendurch, schlafe besser und fühle mich ausgeglichener. Und das alles nur, weil ich ein paar kleine Dinge verändert habe, die meinen Blutzucker über den Tag stabilisieren.
Und genau über diese Dinge möchte ich hier in diesem Beitrag sprechen, damit sie auch dir helfen können. Denn gute Ernährung in den Wechseljahren ist keine Raketenwissenschaft. Du brauchst nur ein paar Grundprinzipien berücksichtigen.
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ToggleWarum der Blutzucker in den Wechseljahren zum Problem wird
Östrogen ist nicht nur ein Sexualhormon. Es spielt auch eine entscheidende Rolle dabei, wie gut unser Körper auf Insulin reagiert. Wenn der Östrogenspiegel in den Wechseljahren sinkt, sinkt auch die Insulinsensitivität. Das bedeutet: Dein Körper braucht mehr Insulin, um die gleiche Menge Zucker zu verarbeiten. Der Blutzucker bleibt länger im Blut, statt in die Zellen zu wandern. (Quelle: Menopause Zentrum)
Das Ergebnis kennst du vielleicht: Du fühlst dich müde, kriegst Heißhunger und das, obwohl du gar nicht mehr isst als vorher. Dazu kommen Nachmittagstiefs, Konzentrationsschwierigkeiten und schlechter Schlaf. Alles Symptome, die viele Frauen nicht mit dem Blutzucker in Verbindung bringen und die ich selbst sehr gut kenne.
Was passiert, wenn der Blutzucker ständig schwankt?
Kurzfristig merkst du es an Energie und Stimmung. Chronisch hohe Blutzuckerwerte und Insulinresistenz können entzündungsfördernd wirken, denn das Immunsystem ist in ständiger Alarmbereitschaft. Und langfristig steigt das Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. (Quelle: remifimin.de)
Was mich persönlich am meisten überrascht hat: Der ständige Hunger, den ich kannte, war kein Zeichen von Disziplinlosigkeit. Es war mein Blutzucker, der Achterbahn gefahren ist.
Das Prinzip: Blutzucker stabilisieren statt Kalorien zählen
Ich bin keine Ernährungsberaterin – das möchte ich ausdrücklich betonen. Meine Grundprinzipien habe ich durch zwei Quellen gelernt: zum einen durch meine Ernährungsberaterin Dr. Isabell Sieberz vom SI Ernährungsinstitut in Köln, mit der ich bereits erfolgreich meine Schlafstörungen und meinen ständigen Hunger in den Griff bekommen habe. Zum anderen durch das Buch „Der Glukose-Trick“ von Jessie Inchauspé, auch bekannt als Glucose Goddess auf Instagram (sehr empfehlenswert, wenn du tiefer einsteigen möchtest).
Das Ziel ist kein Verzicht. Es geht darum, den Blutzucker möglichst stabil zu halten, also starke Spitzen und tiefe Täler zu vermeiden. Denn wenn wir uns so ernähren, dass unser Blutzuckerspiegel stabil ist, unser Mikrobiom gesund ist und stille Entzündungen eingedämmt werden, ist das eine große Unterstützung für diese Lebensphase.
Die Grundprinzipien, die bei mir alles verändert haben
1. Mehr Protein – deutlich mehr
Das war für mich die größte Stellschraube. Ich nehme heute etwa 2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht zu mir. Das klingt viel, ist aber für aktive Frauen mit Krafttraining gut begründet. In der Menopause haben Frauen einen erhöhten Proteinbedarf je nach Aktivitätsniveau. Die Richtlinien der Deutschen Ernährungsgesellschaft (0,8 kg pro Körpergewicht) stellen nur das absolute Minimum dar und nicht den Idealbereich, der zu mehr Wohlbefinden und Gesundheit führt. Außerdem wird bei diesem Wert der DGE nicht zwischen aktiven und nicht-aktiven Menschen unterschieden.
Warum ist das so wichtig? Protein sättigt langanhaltend, stabilisiert den Blutzucker und schützt die Muskelmasse – also genau das, was in den Wechseljahren unter Druck gerät. Eine randomisierte kontrollierte Studie der Deutschen Sporthochschule Köln (Ioannidou et al., 2024) mit 55 postmenopausalen Frauen zeigt: Krafttraining ist die entscheidende Stellschraube für den Erhalt der Muskelmasse. Eine proteinreiche Ernährung alleine hatte nur einen geringen Effekt, in Kombination mit Training jedoch unterstützt sie die Körperzusammensetzung.
Gute Proteinquellen sind: Hülsenfrüchte (zum Beispiel Linsen, Kichererbsen, Edamame), Magerquark, griechischer Joghurt, Eier, Fisch, mageres Fleisch. Und wer Mühe hat, seinen Bedarf zu decken, kann auch ein hochwertiges Proteinpulver einsetzen (ich empfehle die Proteinpulver von Edubily – kein Affiliate-Link, sondern pure Überzeugung!).
Mein Standardfrühstück sieht so aus: Eine Art Müslibowl aus Proteinpulver, Weizenkeimen, 2 EL Samen und Kernen, einer Handvoll Nüsse, Magerquark und frischen Beeren. Viel Protein, gute Fette, Ballaststoffe – und das hält mich stundenlang satt (ca. 5-6 Stunden).
2. Ballaststoffe als Blutzucker-Stabilisatoren
Ballaststoffe verlangsamen die Aufnahme von Zucker und stabilisieren den Blutzucker. Lösliche Ballaststoffe quellen im Magen auf, bilden eine Art Gel und erhöhen so die Verweildauer im Verdauungstrakt – und das macht länger satt. Unlösliche Ballaststoffe dienen im Dickdarm als Nahrung für die guten Darmbakterien.
Täglich 30 Gramm unlösliche Ballaststoffe aus Weizen oder Hafer senken den Blutzuckerspiegel, ohne die Insulinausschüttung zu erhöhen. Das zeigte ein Forscherteam des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (Weickert et al., Diabetologia, 2005).
Ich ergänze meine Ballaststoffzufuhr zusätzlich mit Akazienfaser (eine gute Alternative sind Flohsamenschalen): einfach in Wasser, Joghurt oder Smoothies einrühren. Das ist ein kleiner Trick mit großer Wirkung.
3. Komplexe statt einfache Kohlenhydrate
Nicht alle Kohlenhydrate sind gleich. Komplexe Kohlenhydrate wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Gemüse werden langsamer verdaut und sorgen für einen gleichmäßigen Anstieg des Blutzuckers. Einfache Kohlenhydrate wie Weißbrot, Cornflakes oder Fruchtsäfte lassen den Blutzucker dagegen schnell in die Höhe schießen und genauso schnell wieder fallen.
Eine praktische Orientierung bietet der glykämische Index (GI): Lebensmittel mit niedrigem GI sind Gemüse, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, ballaststoffreiches Obst wie Äpfel und Birnen, Vollkornprodukte und Nüsse.
4. Die Reihenfolge beim Essen macht einen Unterschied
Das hat mich am meisten überrascht und es ist so einfach: Die Reihenfolge, in der wir essen, kann den Blutzuckeranstieg beeinflussen. Konkret bedeutet das: Zuerst Gemüse und Protein, dann Kohlenhydrate. Die Ballaststoffe und das Protein „puffern“ den Blutzuckeranstieg der Kohlenhydrate ab.
Die einfache Faustregel für deinen Teller:
- ½ Teller Gemüse
- ¼ Teller Protein (Hülsenfrüchte, Fisch, Fleisch, Eier, Quark etc.)
- ¼ Teller komplexe Kohlenhydrate (Vollkornreis, Süßkartoffel, Linsen etc.)
5. Süßes nach der Mahlzeit, nicht zwischendurch
Auch das kommt aus dem „Glukose-Trick“ und hat sich für mich absolut bewährt: Wer Lust auf Süßes hat, sollte es direkt nach einer Hauptmahlzeit genießen. Zuvor aufgenommene Lebensmittel reich an Ballaststoffen und Proteinen können dazu beitragen, den Blutzuckeranstieg abzufedern.
Ein Stück Schokolade nach dem Mittagessen ist also wesentlich besser als dasselbe Stück als Snack am Nachmittag auf (halb-)leeren Magen.
6. Frühstück nicht auslassen und proteinreich starten
Hier war ich lange auf dem falschen Weg: Ich habe Intervallfasten praktiziert und erst spät am Morgen gefrühstückt (und dann auch noch einen Frucht-Smoothie ohne Proteine – hallo, Blutzucker-Crash!). Das Problem: Intermittierendes Fasten kann bei Frauen in den Wechseljahren den Cortisolspiegel erhöhen und die Hormone durcheinanderbringen. Dr. Stacy Sims, Sportwissenschaftlerin und Expertin für Frauenphysiologie, warnt explizit davor.
Heute frühstücke ich früher und proteinreich und das macht einen spürbaren Unterschied für meinen Hunger über den gesamten Tag. Morgens Protein hilft, die Stimmung für den bevorstehenden Tag zu stabilisieren.

Was du bei deiner Ernährung in den Wechseljahren konkret tun kannst: Eine kurze Zusammenfassung
Ich weiß, das klingt nach viel. Aber das Schöne ist: Du musst nicht alles auf einmal umstellen. Fang mit einem Punkt an und schau dann, was passiert.
Die wichtigsten Stellschrauben im Überblick:
- Mehr Protein bei jeder Mahlzeit (Ziel: 1,5–2 g pro kg Körpergewicht)
- Täglich mindestens 30 g Ballaststoffe, gerne mit Akazienfaser oder Flohsamenschalen ergänzen
- Komplexe statt einfache Kohlenhydrate wählen
- Teller-Regel: ½ Gemüse, ¼ Protein, ¼ komplexe Kohlenhydrate
- Süßes nach der Mahlzeit, nicht als Snack zwischendurch
- Frühstück nicht auslassen und proteinreich starten
- Gemüse vor Obst bevorzugen
Wenn du tiefer einsteigen und deine Ernährung individuell anpassen willst, empfehle ich dir, eine Ernährungsberaterin aufzusuchen. Meine Erfahrungen mit Dr. Isabell Sieberz waren ausgesprochen positiv! Sie hat mir geholfen zu verstehen, was in meinem Körper wirklich passiert.
Und wer das Thema Blutzucker noch tiefer durchdringen möchte: „Der Glukose-Trick“ von Jessie Inchauspé ist sehr gut lesbar, wissenschaftlich fundiert und voller praktischer Alltagstipps.
Der Zusammenhang mit anderen Wechseljahresbeschwerden
Ernährung wirkt nie isoliert. Ein stabiler Blutzucker hängt direkt mit anderen Themen zusammen, über die ich bereits geschrieben habe:
- Schlaf: Blutzuckerschwankungen in der Nacht können dich aufwecken. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, lies meinen Artikel zu Schlafstörungen in den Wechseljahren.
- Gewicht: Insulinresistenz und viszerales Fett hängen direkt zusammen. Alles dazu findest du in meinem Artikel zu Gewichtszunahme in den Wechseljahren.
- Stress & Cortisol: Chronischer Stress erhöht den Blutzucker und umgekehrt destabilisiert ein schwankender Blutzucker das Nervensystem. Nervensystemregulation ist also auch hier kein Luxus, sondern eine echte Stellschraube. Wenn du wissen willst, wie du dein Nervensystem regulieren kannst, lies meinen Beitrag „13+ Möglichkeiten, um dein Nervensystem zu regulieren„.
Dein nächster Schritt
Bereit, deinen Blutzucker zu stabilisieren und dich endlich wieder wohler in deinem Körper zu fühlen?
Dann starte mit meinem kostenlosen Guide „Stress-S.O.S. in den Wechseljahren“: Konkrete Sofort-Maßnahmen, die du direkt anwenden kannst, um deinen Cortisolspiegel zu senken, dein Nervensystem zu beruhigen und damit letztendlich auch deinen Blutzucker zu stabilisieren. Zum Stress-S.O.S-Guide
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Fazit
Ständiger Hunger, Energietiefs und das Gefühl, trotz gesunder Ernährung nicht voranzukommen – das ist kein persönliches Versagen. Es ist die Folge von hormonellen Veränderungen, die den Blutzuckerstoffwechsel direkt beeinflussen.
Die gute Nachricht: Du kannst aktiv gegensteuern. Nicht mit Diäten und Verzicht, sondern mit ein paar gezielten Veränderungen, die deinen Körper wirklich unterstützen. Mehr Protein, mehr Ballaststoffe, die richtigen Kohlenhydrate und ein bisschen Bewusstsein dafür, wann und in welcher Reihenfolge du isst.
Ich bin seit Frühjahr 2024 auf diesem Weg und ich würde ihn nicht mehr hergeben.
Hinweis: Ich bin Yoga-Lehrerin und Coach, keine Ernährungsberaterin. Dieser Artikel gibt meine persönlichen Erfahrungen und das weiter, was ich gelernt habe. Für individuelle Ernährungsberatung wende dich bitte an eine Fachperson.

Muss ich in den Wechseljahren komplett auf Kohlenhydrate verzichten?
Nein, und das wäre sogar kontraproduktiv. Es geht nicht darum, Kohlenhydrate zu streichen, sondern die richtigen zu wählen: komplexe statt einfache. Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Gemüse sind hervorragende Kohlenhydratquellen, die den Blutzucker langsam und gleichmäßig ansteigen lassen.
Wie viel Protein brauche ich wirklich?
Die offizielle Empfehlung der DGE von 0,8 g pro kg Körpergewicht ist das absolute Minimum, nicht der Idealwert. Für aktive Frauen in den Wechseljahren empfehlen Expertinnen wie Dr. Stacy Sims deutlich mehr: 1,5 bis 2 g pro kg Körpergewicht. Ich selbst nehme etwa 2 g zu mir und merke einen deutlichen Unterschied bei Sättigung und Energie.
Ist Intervallfasten in den Wechseljahren sinnvoll?
Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Intervallfasten kann bei Frauen in den Wechseljahren den Cortisolspiegel erhöhen und die Hormone zusätzlich destabilisieren. Dr. Stacy Sims, eine der führenden Forscherinnen zur Frauenphysiologie, rät Frauen in dieser Lebensphase explizit davon ab. Besser: früh und proteinreich frühstücken.
Ich esse eigentlich gesund. Warum nehme ich trotzdem zu?
Weil „gesund“ nicht automatisch „blutzuckerstabilisierend“ bedeutet. Ein Frühstück aus Obst-Smoothie und Müsli klingt gesund, lässt den Blutzucker aber schnell in die Höhe schießen und genauso schnell wieder fallen. Das Ergebnis: Heißhunger, Energietief, Snacken. Entscheidend sind nicht nur die Lebensmittel selbst, sondern ihre Zusammensetzung, Reihenfolge und der Zeitpunkt.
Was sind Akazienfasern und warum empfiehlst du sie?
Akazienfasern sind lösliche Ballaststoffe, die sich geschmacksneutral in Wasser, Joghurt oder Smoothies auflösen. Sie unterstützen die Darmgesundheit, fördern das Sättigungsgefühl und helfen, den Blutzucker zu stabilisieren. Eine gute Alternative sind Flohsamenschalen. Beide sind in Bioläden oder online erhältlich.
Kann ich diese Empfehlungen auch umsetzen, wenn ich wenig Zeit zum Kochen habe?
Ja, denn die Teller-Regel (½ Gemüse, ¼ Protein, ¼ komplexe Kohlenhydrate) lässt sich auch mit einfachen Mahlzeiten umsetzen. Ein Linsensalat mit Feta und Gemüse, ein Quark mit Beeren und Nüssen, ein Rührei mit Spinat – das sind Gerichte, die in 10 bis 15 Minuten fertig sind und alle Prinzipien erfüllen.

Namasté. Ich bin Claire, Yogalehrerin und zertifizierte Wechseljahreberaterin. Seit 2012 ist Yoga mein Anker, der mich heute gelassen durch den Hormon-Dschungel trägt. Meine Mission: Dich dabei zu unterstützen, die Wechseljahre nicht nur zu überstehen, sondern als kraftvolle Neuausrichtung zu erleben – ganzheitlich gesund, gelassen und glücklich.


