Ich kann mich einfach nicht entspannen. - 2 Gründe, warum Yoga und Meditation nicht für jeden geeignet sind

“Ich kann mich einfach nicht entspannen.” – 2 Gründe, warum Yoga und Meditation nicht für jeden geeignet sind

Vielleicht hast du das ja auch schon mal gehört: “Du musst unbedingt meditieren oder Yoga machen.” Vielleicht hast du es auch schon mal probiert und einfach festgestellt, dass das ist nichts für dich ist. Oder vielleicht sogar festgestellt: “Ich kann mich einfach nicht entspannen dabei. Ich werde da eher noch gestresster, als ich es eh schon bin.”

Heute möchte ich dir in diesem Beitrag einen Überblick geben, woran das liegen kann und die auch ein paar Tipps mitgeben, wie du damit umgehen kannst.

One size fits all – nicht!

Dass Meditation oder Yoga (oder was auch immer) das Beste für alle ist, trifft nicht zu. Auch wenn ich mich nicht davon freispreche, immer wieder zu propagieren, Yoga zu machen oder zu meditieren, weil ich aus diesem Bereich komme, habe ich inzwischen einfach auch ein Feingefühl dafür zu sagen: “Nein, im Moment ist das vielleicht nichts für dich. Oder vielleicht ist es auch generell nichts für dich.”

Woran das liegt erkläre ich dir gleich noch. Aber mir ist es wichtig, dass du verstehst, woran das liegen könnte, wie du damit umgehen kannst und dass du dich auch davon freisprechen darfst, unbedingt Yoga machen zu müssen.

Der Anlass zu diesem Beitrag

Der Anlass zu diesem Beitrag ist schon einige Wochen her, aber er wird immer aktueller und ich stoße immer wieder auf dieses Thema. Deswegen war es mir jetzt wichtig, einen Beitrag dazu zu schreiben.

Der ursprüngliche Anlass war die Unterhaltung mit einer Teilnehmerin bei einem Workshop, den ich vor 2,5 Monaten in der Grundschule meiner Kinder zum Thema Stressmanagement gegeben habe. Sie hatte einen Pulli an, auf dem “Namasté” stand, was ich als Yogalehrerin natürlich toll fand. Ich habe sie sofort darauf angesprochen, ob sie denn auch Yoga machen würde.

Darauf sagte sie: “Nein. Ich kann mich überhaupt nicht dabei entspannen. Ich werde da viel zu unruhig bei. Ich gehe lieber laufen.”

Ich habe mich im Nachgang noch viel mit dieser Aussage beschäftigt bzw. diese Aussage hat mich noch sehr beschäftigt im Nachgang. Und zwar so sehr, dass ich auch in der Facebookgruppe von der NESC-Coaching-Ausbildung, in der ich gerade bin, eine Frage dazu gestellt habe. Ich hatte – aus dem derzeitigen Verständnis über das Nervensystem heraus – eine Vermutung, woran das liegt, und wollte wissen, ob ich mit dieser Vermutung richtig liege. Und da ich die Antwort für mich gefunden habe, möchte ich sie dir nicht vorenthalten. 😉

Meine eigene Geschichte mit dem Thema “Ich kann mich nicht entspannen.”

Dazu möchte ich dir erst mal meine eigene Historie darstellen, um dir auch zu zeigen, dass es ein Weg sein kann. Es kann sein, dass du nie zum Yoga und Meditation findest, was völlig in Ordnung ist. Es kann aber auch sein, dass einfach noch nicht der Zeitpunkt gekommen ist, wo das richtig für dich ist. Und das möchte ich dir anhand meiner eigenen Geschichte kurz darlegen.

So mit Mitte 20 etwa fing es an, dass ich quasi nur “Action-Sport” gemacht habe, also so was wie Laufen, Spinning usw. Damals brauchte ich Action, ich brauchte Bewegung, ich musste mich auspowern. So ging es, bis ich ca. Mitte 30 war. In der Zwischenzeit, mit Anfang 30, fing ich mit Yoga an. Spannenderweise fiel mir das gar nicht so schwer, da hineinzufinden.

Ich habe sehr schnell gemerkt, dass mir das unfassbar gut tut und dass ich das ausbauen möchte. Parallel dazu bin ich einfach auch weiter laufen gegangen. Das heißt, ich war mindestens einmal die Woche laufen und ich war einmal die Woche beim Yoga. Zu dem Zeitpunkt habe ich dann auch probiert, mit Meditation anzufangen. Aber ich habe einfach nicht rein gefunden. Ich fand es schwer, zehn Minuten da zu sitzen und zu atmen. Beim Yoga fiel mir das Entspannen leichter, weil ich durch die Ausführung der Bewegungen was zu tun hatte.

Atemübungen waren auch so eine Sache, die haben mir auch teilweise nicht so gut getan oder nicht gut gefallen. Und auch wenn Meditation und Atemübungen ebenso zum Yoga gehören, wie die eigentlichen Körperhaltungen, konnte ich mich wirklich noch nicht so richtig darauf einlassen.

Claire Oberwinter YogaDen Zugang zur Meditation habe ich selbst erst richtig gefunden durch meine Yogalehrerausbildung. Aber auch dort war ich am Anfang erstmal völlig überfordert. Ich erinnere mich noch genau an das erste Ausbildungswochenende. Unser Ausbildungsleiter sagte uns gleich zu Beginn am 1. Tag, dass wir jeden Tag der Ausbildung mit einer 20-minütigen Meditation beginnen würden.

Ich erinnere mich, wie ich da gesessen habe und dachte: “Wie um alles in der Welt soll ich jemals 20 Minuten meditieren können? Das funktioniert doch überhaupt nicht!” Ich war also erst mal total überfordert, aber ich “musste” es ja machen. Ich habe es halt einfach mitgemacht, mein Bestes gegeben und dadurch in die Meditation gefunden, weil ich auch irgendwann verstanden habe, worum es bei Meditation geht und worum eben nicht.

Da, wo ich früher nur Action-Sport gemacht habe und keinerlei Entspannungsübungen, mache ich das heute nur noch. Und alles, was so mit Action-Sport zu tun hat, habe ich eigentlich völlig abgelegt. Ich gehe nicht mehr laufen. Ich war schon seit Jahren nicht mehr beim Spinning oder irgendwie so was. Das einzige, was ich wieder aufgenommen habe, ist das Tanzen.

Als Hauptaktivität mache ich sehr viel ruhige Dinge wie Yoga, Meditation. Ich habe auch sehr starken Zugang zu Breath-Work oder Pranayama, also Atemübungen gefunden und auch vielen anderen Techniken, die mich einfach in die Ruhe bringen und die mich runterfahren. Aber es brauchte diesen Weg von Action-Sport über Yoga, erst dann Meditation und dann alles andere, um heute richtig entspannen zu können. Und selbst heute gibt es Momente, wo es mir schwerfällt und wo auch für mich Yoga oder Meditation nicht das Richtige in einem bestimmten Moment ist.

Und da kommen wir jetzt zu, warum Yoga und Meditation (und auch andere Methoden und Techniken) nicht für jeden geeignet sind.

2 Gründe, warum Yoga und Meditation nicht für jeden geeignet sind

Es gibt zwei Gründe bzw. Faktoren, von denen dies abhängt:

  1. Abhängigkeit vom Typ / der Persönlichkeit
  2. Abhängigkeit vom Zustand des Nervensystems

Grund 1: Abhängigkeit vom Typ / der Persönlichkeit

Einerseits ist dies eine Typfrage. Wenn du grundsätzlich mehr der Typ bist, der ein bisschen mehr Action und Auspowern braucht, dann ist das völlig in Ordnung und eben einfach eine Typfrage. Ich mag ja auch nicht alles an Sport oder sonstigen Aktivitäten, die es gibt.

Grund 2: Abhängigkeit vom Zustand des Nervensystems

Der zweite Faktor, wovon es abhängig sein kann, ist im Zustand des Nervensystems begründet. Wenn du ein reguliertes Nervensystem hast, ist es zumindest wahrscheinlicher, dass du solche Übungen oder solche Methoden wie Yoga und Meditation gut findest bzw. gut entspannen kannst dabei. Natürlich kann es auch sein, dass du ein reguliertes System hast und trotzdem Yoga und Meditation nicht magst, weil du keinen Zugang dazu findest. Und du gehst dafür gerne wandern. Da sind wir wieder bei der Typfrage.

Es kann aber auch sein, dass du ein dysreguliertes Nervensystem hast. Und das halte ich für gar nicht mal so unwahrscheinlich, weil die meisten Menschen das heute haben.

Bei einem dysregulierten Nervensystem kennt der Körper nur noch das höhere Stresslevel. Ein dysreguliertes Nervensystem zeichnet sich unter anderem durch ein ohnehin schon viel höheres Stress-Niveau aus und der Körper weiß gar nicht mehr so richtig, wie sich Entspannung überhaupt anfühlt. Und was passieren kann und wahrscheinlich auch wird: Wenn du in die Entspannung gehst, also z.B. Yoga machst oder meditierst, sieht der Körper das als Gefahr an, weil er das nicht kennt.

Denn eine Gefahr bedeutet immer eine Bedrohung für das Überleben und löst quasi innerlich den Impuls aus: “Nein, das ist zu gefährlich, denn es ist nicht sicher. Ich bleib lieber, wo ich bin.” (= in der Dauererregung). Und dann bringt dein Nervensystem dich automatisch in den erregten Zustand zurück und “versagt” dir quasi die Entspannung.

Das heißt, der Körper bzw. das Nervensystem holt dich zurück in diesen Bereich, den er kennt, um dich in der sicheren Zone zu halten. Das ist natürlich auf Dauer keine Lösung! Aber was ist dann die Lösung? Die Lösung ist, das Nervensystem regulieren zu lernen. Welche Möglichkeiten du dazu hast, erfährst du in meinem Beitrag “13+ Möglichkeiten, um dein Nervensystem zu regulieren“.

Ansonsten, wenn du noch mehr Infos zu dem Thema, “reguliertes bzw. dysreguliertes Nervensystem” haben willst, lies dir unbedingt diesen Beitrag von mir durch.

4 Tipps, um deinen Weg in die Entspannung zu finden

Was kannst du jetzt also tun, um vielleicht deinen Weg in Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation zu finden, wenn du den Wunsch dazu hast? Dazu habe ich dir vier Tipps mitgebracht, wie du vorgehen kannst und worauf du achten solltest.

Tipp 1: Mache kleine Schritte.

Zu viel auf einmal zu wollen bedeutet Überforderung und das ist wieder Stress fürs Nervensystem. Und das dysreguliert dein Nervensystem möglicherweise noch mehr. Wenn du also vorhast, Meditation o.ä. zu deiner Routine zu machen, dann ist es höchstwahrscheinlich eine Überforderung, wenn du direkt mit 20 oder 30 Minuten pro Tag einsteigen willst.

Da würde ich dir empfehlen, erst mal klein anzufangen und dir vielleicht nur drei Minuten Zeit zu nehmen, um zu meditieren oder Yoga zu machen.

Wenn du außerdem wissen willst, wie du lernen kannst, täglich zu meditieren, habe ich auch hier wieder einen passenden Beitrag für dich parat. 🙂

Tipp 2: Probiere unterschiedliche Methoden und Übungen aus!

Entspannung lernenEs gibt so viele verschiedene Übungen und Methoden, mit denen du dein Nervensystem regulieren kannst. Du musst nicht Yoga machen oder meditieren. Wichtig ist dabei, dass du dir eine Vielfalt an Methoden und Übungen aneignest bzw. ausprobierst, die du je nach Situation anwenden kannst.

Das, was für dich im Moment gut ist, kann in einem Jahr, in einem Tag schon wieder “falsch” sein. Daher ist es wichtig, verschiedene Dinge zu kennen und nicht nur eine Sache, die dir vielleicht in bestimmten Situationen gar nicht gut tut. Dafür brauchst du ein “Portfolio”, einen Methoden-Koffer für dich selbst, um dir immer das rauszusuchen, was gerade passt.

Tipp 3: Spüre jeden Tag in dich hinein, was du brauchst und entscheide dich jeden Tag neu.

Ich habe eine Morgenroutine und die bedeutet einfach nur: “Ich nehme mir Zeit für mich”. Das bedeutet nicht, dass ich jeden Tag das Gleiche mache.

Es gibt Tage, da möchte ich morgens nicht meditieren. Es gibt Tage, da möchte ich es nur 10 Minuten machen. Dann wiederum gibt es Tage, da brauche ich 1,5 Stunden, um in den Tag zu kommen.

Es gibt Tage, da muss ich schreien, stampfen, mich schütteln, weil das besser funktioniert. Es gibt Tage, da muss ich rausgehen in die Natur, um mich zu regulieren. Und dann gibt es die Tage, in denen ich mich nur nach Stille sehne und daher still oder mit leiser Musik meditiere. Es ist einfach jeden Tag anders!

Daher ist auch für dich wichtig, dass du jeden Tag aufs Neue entscheidest, was du gerade brauchst und was für den jeweiligen Tag genau das Richtige ist. Da gibt es kein richtig oder falsch, sondern nur das, was für dich an dem Tag stimmig ist.

Und dafür knüpfe ich wieder an Tipp 2 an, denn du brauchst eine Vielfalt an Methoden, die du je nach Bedarf, je nach Situation aus dem Koffer ziehen und anwenden kannst.

Wenn du erst mal lernen möchtest, dich überhaupt selbst besser zu spüren, dann empfehle ich dir meinen Beitrag “Sich selbst spüren: 11 Übungen zur Verbesserung deiner Körperwahrnehmung“. Dort findest du auch teilweise konkrete Übungen, die auch schon darauf abzielen, das Nervensystem zu regulieren. Und da sind eben Methoden und Übungen drin, wie du erst mal lernen kannst, um dich überhaupt erstmal selbst besser zu spüren. Dann fällt dir die tägliche Entscheidung, was du jetzt gerade brauchst, viel leichter.

Tipp 4: Finde DEINEN Weg!

Hier komme ich noch mal zum Anfang des Beitrags zurück, wo ich gesagt habe, dass es keine “One size fits all”-Lösung da draußen gibt. Vielleicht probierst du Meditation 100 Mal aus und stellst fest, dass es einfach nicht dein Ding ist, egal wie viele Menschen da draußen darauf schwören. Dafür merkst du vielleicht, dass du dich entspannt fühlst, wenn du eine Runde durch den Wald gegangen bist. Oder wenn du Atemübungen gemacht hast. Oder, oder, oder….

Ich habe ja auch Dinge, mit denen ich nicht wirklich viel anfangen kann. Zum Beispiel meine ganze Familie macht Karate. Ich habe es mal ausprobiert und festgestellt: “Nice, aber auf Dauer nicht mein Ding.” Und das ist völlig okay. Meine Familie geht ihren Weg mit dem Karate, ich gehe meinen mit Yoga und Meditation.

Es ist wichtig, dass du auch deinen Weg dort findest, um zu wissen “Was brauche ich, was tut mir gut?” Und das unabhängig von dem, was andere sagen.

Natürlich lade ich dich ein, weiter offen zu bleiben und verschiedene Dinge auszuprobieren und dich auf verschiedene Aktivitäten einzulassen. Wer weiß, was du da Tolles entdeckst? Erlaube dir aber sagen zu dürfen, dass bestimmte Dinge (zu dem Zeitpunkt) nichts für dich sind. Und probiere es dann später nochmal, um zu testen, ob es wirklich nur am Zeitpunkt lag oder ob es WIRKLICH nichts für dich ist.

Wenn du da deinen Weg finden willst, weil du dir jetzt im Moment noch unsicher bist, wie du das machen kannst oder was überhaupt der Weg für dich ist in diesem Bereich, dann begleite ich dich gerne in einem Einzelcoaching, wo wir genau solche Sachen herausfinden. Ich unterstütze dich dabei, in dich zu spüren, deine Körperwahrnehmung zu schulen, dein Nervensystem zu regulieren, so dass du die Antworten auf die Fragen “Was ist mein Weg? Was tut mir wirklich gut? Was brauche ich wirklich?” in dir findest. Das kann niemand für dich beantworten, außer du selbst.

In einem Coaching können wir genau das herausarbeiten, was dir gut tut, was du brauchst. Und das nicht nur in Bezug auf Entspannungstechniken, sondern generell in deinem Leben. Was brauchst du zum Beispiel, um gut arbeiten zu können? Was brauchst du in deinem Familienalltag, um um ein gutes Leben zu haben, um entspannt mit deiner Familie umgehen zu können?

Wenn du Antworten auf diese Fragen in dir finden willst, um ein glücklicheres und erfüllteres Leben zu finden, vereinbare jetzt dein kostenloses Kennenlerngespräch mit mir.

Fazit / Zusammenfassung

Jetzt verstehst du hoffentlich besser, warum du vielleicht bisher noch keinen Zugang zu Yoga, Meditation oder auch anderen Techniken gefunden hast. Eine gute Selbstkenntnis und das Wissen über das Nervensystem helfen dir, das für dich besser einschätzen und deine persönlichen Lösungen finden zu können. Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken der Methoden, die FÜR DICH funktionieren, so dass du am Ende doch entspannen kannst!

Ich würde mich sehr freuen, von deinen Erfahrungen zu hören, die du in diesem Bereich gemacht hast. Wie stehst du zu Yoga und Meditation?  Welche Erkenntnisse hattest du schon in Bezug auf “Ich kann mich nicht entspannen.”? Kommentiere gerne unter dem Blogbeitrag!

See yourself. Be yourself. Free yourself.

Namasté

Deine Claire

Einen Kommentar hinzufügen