Stress-S.O.S. in den Wechseljahren: Dein Quick Guide für ein reguliertes Nervensystem

Stress-S.O.S. in den Wechseljahren?

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Wenn der Körper einen betrügt - Warum die Wechseljahre sich wie Kontrollverlust anfühlen

Wenn der Körper einen betrügt: Warum die Wechseljahre sich wie Kontrollverlust anfühlen

„Aktuell ist es mal wieder so, dass meine tiefe Traurigkeit zurückgekehrt ist, nachdem sie ca. 2 Wochen weg war. Und plötzlich klopft sie wieder an, obwohl sich nichts verändert hat. Eine Traurigkeit, die mich lähmt, meine Motivation schluckt. Und die unvorhergesehen einfach wiederkommt und mich blockiert.

Meine Periode wird unregelmäßig und ich kann mich nie drauf verlassen, wann sie kommt. Die letzten Zyklen waren meist so grob zwischen 23 und 25 Tagen, jetzt bin ich schon bei Tag 32 und keine Periode in Sicht. Ich kann mich auf nichts mehr einstellen, muss jederzeit damit rechnen, dass die Periode kommt (oder eben auch nicht) und bin deswegen im Blindflug unterwegs.

Es kommt mir vor, als würde mein Körper mich betrügen, sich gegen mich stellen. Etwas, das vorher galt, gilt nicht mehr. Ich bin vergesslicher, mein Kopf ist im Nebel, ich fühle mich nicht klar. Es ist gefühlt alles so unberechenbar geworden und ich fühle mich oft nicht mehr wie ich selbst, ohne zu wissen, wer ich eigentlich gerade bin. Ich fühle mich in der Schwebe. Das alte Ich ist in Teilen noch da, in Teilen nicht mehr, aber das neue Ich ist noch im Nebel, unklar, unscharf, nicht greifbar.“

Das habe ich letztens in meinem Tagebuch geteilt, als es mir nicht besonders gut ging, denn Schreiben hilft mir oft in solchen Momenten.

Und irgendwie dachte ich: Das muss ich teilen! Nicht, weil ich so sehr auf Seelenstriptease stehe, sondern weil ich weiß, dass es anderen Frauen in den Wechseljahren genauso geht und wir viel mehr über sowas reden müssen. Also tue ich das jetzt! Und vielleicht findest du dich hier ja auch wieder. Wenn ja, will ich dir einfach sagen: Du bist nicht allein!

Ok, dann lass uns doch einfach mal anschauen, warum die Wechseljahre sich wie ein Kontrollverlust anfühlen und schon mal eine erste Idee, was helfen kann.

Beitrag als Podcastfolge

1. Was Kontrollverlust in den Wechseljahren konkret bedeutet

„Der Körper hat irgendwie ein anderes Skript bekommen als ich.“ Das sagte kürzlich eine Bekannte zu mir, als wir über die Wechseljahre sprachen. Und ich finde, das fasst es so unglaublich gut zusammen.

Dabei gibt es drei Ebenen, auf die sich das Gefühl des Kontrollverlusts bezieht:

Ebene 1: Körperliche Unberechenbarkeit

Dazu zählen Dinge wie der aus dem Takt geratene Zyklus, Schlafstörungen, Gewichtszunahme und Hitzewallungen. Plötzlich ist alles anders und es herrscht das Gefühl vor, nichts mehr selber bestimmen zu können.

So ging es mir zu Beginn der sehr frühen Perimenopause mit den Schlafstörungen, die mich ereilten, obwohl ich vorher keine Probleme mit dem Schlafen gehabt hatte. In den letzten Jahren sind nun auch teils extreme Zyklusschwankungen dazu gekommen, ich habe mindestens eine Kleidergröße mehr, obwohl ich sonst rein gar nichts an meiner Ernährung oder meiner Trainingsroutine verändert habe und erste Anzeichen von Hitzewallungen sind ebenfalls da.

Das zermürbt mich manchmal wirklich, da es so frustrierend ist, wie von außen zuzuschauen, wie der Körper sich von alleine verändert.

Es gibt zwar einige Lifestyle-Hebel, die beeinflussen, wie ich durch die Wechseljahre gehe – also Schrauben, an denen ich drehen kann, die mich leichter durch die Wechseljahre bringen – aber ich wüsste nicht, wo ich da noch etwas optimieren kann. Denn ich bin da echt schon sehr gut aufgestellt. Umso frustrierender, dass ich zuschauen muss, wie sich alles verändert, ohne großen Einfluss nehmen zu können…

Ebene 2: Emotionale Unberechenbarkeit

Zwar bin ich per se seit der Geburt meiner Kinder sehr nah am Wasser gebaut und kenne Stimmungsschwankungen auch aus dem sonstigen Alltag. Aber jetzt in den Wechseljahren haben sie eine Intensität – und auch einen hohen Grad an Unberechenbarkeit – erreicht, dass es an einigen Tagen wirklich schwer zu ertragen ist.

Aber auch wiederkehrende Traurigkeit, Wut und andere Emotionen, die immer nur so temporär mal da waren, sind jetzt häufiger zu Gast. Und das oft ohne erkennbaren Grund und von einem Tag auf den anderen weg und dann doch wieder da. Ich kann mich also nie darauf verlassen, dass ich morgen noch produktiv arbeiten kann, weil ich dann schon wieder von meinen Emotionen so „verschluckt“ worden sein kann, dass Arbeiten echt schwierig ist.

Ebene 3: Kognitive Unberechenbarkeit

Letztens saß ich in meinem wöchentlichen Yogakurs (zu dem ich als Teilnehmerin gehe) und eine Frau, die ich seit Jahren kenne, kam rein. Ich wollte ihr einen guten Morgen wünschen und sie namentlich dabei begrüßen. Nur… fiel mir ihr Name nicht mehr ein! Und das blieb auch etwa eine Woche so, in der es mir vorkam, als hätte mein Gehirn ihren Namen einfach verschluckt. Irgendwann fiel er mir doch wieder ein, aber ich begann, ernsthaft an meinem Verstand zu zweifeln.

Und damit endet es nicht: Gehirnnebel, Vergesslichkeit, Wortfindungsprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten… Das sind alles Faktoren, die inzwischen nahezu täglich auftauchen und die mich echt wurmen und meinen Alltag manchmal empfindlich stören.

2. Warum das Nervensystem dabei die Hauptrolle spielt

Als ich anfing, diesen Beitrag zu schreiben, wusste ich, dass das Nervensystem ins Zentrum gerückt werden muss, um das Gefühl des Kontrollverlusts in den Wechseljahren zu erklären. Allerdings spielen auch die Hormonschwankungen eine Rolle. Beides ist hier relevant.

Lass es mich anhand eines eingängigen Bildes erklären: Die Hormonschwankungen sind das Erdbeben. Das Nervensystem ist das Gebäude, das dadurch ins Wanken gerät.

Die Hormonschwankungen sind die Ursache, aber es ist das Nervensystem, das ihre Auswirkungen spürt und in konkrete Erfahrungen übersetzt. Und das erklärt, warum sich die Wechseljahre so anfühlen wie sie sich anfühlen: nicht nur körperlich unbehaglich, sondern fundamental unsicher.

Östrogen und Progesteron haben das Nervensystem jahrelang stabilisiert. Progesteron wirkt beruhigend und angstlösend, Östrogen beeinflusst Serotonin und damit die Stimmung. Wenn diese beiden Hormone nun schwanken und sinken, verliert das Nervensystem seine wichtigsten Anker. Es gerät in einen Zustand erhöhter Alarmbereitschaft und das nicht weil etwas wirklich gefährlich ist, sondern weil die Signale fehlen, die früher Sicherheit gegeben haben.

Und ein Nervensystem im Alarmmodus interpretiert Ungewissheit als Bedrohung. Der unberechenbare Zyklus, die Stimmung, die ohne Vorwarnung kippt, der Name, der plötzlich weg ist – das sind für das Nervensystem keine Kleinigkeiten. Das sind Signale, dass etwas nicht stimmt. Dass der Boden wackelt.

Das erklärt übrigens auch, warum zwei Frauen mit ähnlichen Hormonwerten völlig unterschiedliche Erfahrungen machen können. Je nachdem wie reguliert das Nervensystem grundsätzlich ist, wie viel Stress jemand hat, wie gut sie schläft, reagiert das Gebäude stabiler oder wackeliger auf dasselbe Erdbeben.

Und hier liegt auch der entscheidende Unterschied zwischen Ursache und Ansatzpunkt: Die Hormonschwankungen selbst kannst du nicht direkt kontrollieren. Aber das Nervensystem, das kannst du beeinflussen. Nicht um das Erdbeben zu stoppen, sondern um das Gebäude erdbebensicher zu machen.

Mehr dazu, was in deinem Hormonsystem gerade passiert, liest du in meinem Beitrag „Hormonschwankungen in den Wechseljahren„.

3. Das alte und das neue Ich

Es gibt einen Satz aus meinem Tagebucheintrag, bei dem ich letztlich doch sehr schlucken musste, als ich ihn las: „Das alte Ich ist in Teilen noch da, in Teilen nicht mehr, aber das neue Ich ist noch im Nebel, unklar, unscharf, nicht greifbar.“

Das ist vielleicht das Zermürbendste an den Wechseljahren. Nicht die Schlafstörungen, nicht die Gewichtszunahme, nicht mal der Gehirnnebel. Sondern dieses Dazwischen. Diese Schwebe zwischen zwei Versionen von sich selbst, von denen man die eine gerade verliert und die andere noch nicht kennt.

In der Psychologie wird das als Übergangsphase beschrieben – ein Zustand, in dem das alte Selbstbild nicht mehr vollständig passt, das neue aber noch nicht geformt ist. Die Wechseljahre sind in diesem Sinne keine Krise, sondern eine Schwelle. Wie die Pubertät – nur rückwärts und mit mehr Lebenserfahrung im Gepäck.

Das Nervensystem liebt Berechenbarkeit. Es ist ihm wichtig zu wissen, wer man ist, wie man reagiert, was man kann. Und genau das steht gerade in Frage. Nicht dramatisch, nicht permanent, aber oft genug, um zu verunsichern.

Was mir dabei hilft: Nicht so zu tun, als wäre die Schwebe ein Problem, das gelöst werden muss. Sondern sie als das zu sehen, was sie ist: ein Übergang. Das alte Ich geht nicht einfach weg. Es verwandelt sich. Und das neue Ich ist nicht verloren – es entsteht gerade.

Das braucht Zeit. Und Geduld. Und manchmal einfach die Erlaubnis, nicht zu wissen, wer man gerade ist. Es aushalten, dass ich gerade so im Nebel stehe und nicht weit genug schauen kann.

An dieser Stelle möchte ich dir gerne das Buch „Wise Power“ von Sjanie Hugo Wurlitzer und Alexandra Pope von der „Red School“ ans Herz legen. Darin geht es um genau diesen Übergang vom alten zum neuen Ich in den Wechseljahren. Die beiden Autorinnen haben ein Modell entwickelt mit fünf Phasen, durch die wir in den Wechseljahren gehen. Kleiner Spoiler an dieser Stelle: Phase 1 ist „Betrayal“ (zu deutsch: Betrug) und spricht genau über das, worüber ich hier in diesem Beitrag rede, nämlich das Gefühl des Kontrollverlusts und dass man sich dadurch wie betrogen vorkommt.

Ich finde dieses Buch als Leitfaden für die eigene Reise durch die Wechseljahre einen hervorragenden Begleiter, also vielleicht magst du es dir einmal anschauen. Das Buch gibt es auf Englisch und auch auf Deutsch.

Und mehr darüber, wie ich grundsätzlich auf die Wechseljahre schaue – zwischen Chance und Ablehnung, zwischen Pathologisierung und Gaslighting – liest du in meinem Beitrag „Meine Haltung zu den Wechseljahren„.

4. Was hilft gegen den Kontrollverlust – und was nicht

Auch wenn es sich so anhört, als hätten wir Frauen in den Wechseljahren keine Möglichkeit, gegen den Kontrollverlust vorzugehen, so haben wir sie doch.

Was klar nicht funktioniert, ist, die Kontrolle zurückgewinnen zu wollen. Da kann ich dir aus eigener Erfahrung, unabhängig von den Wechseljahren, sagen, dass das nicht funktioniert. Es ist nicht nur so, dass du am Ende nach wie vor keine Kontrolle hast, sondern auch, dass du vollständig erschöpft bist. Denn krampfhaft die Kontrolle zurückgewinnen wollen, nagt an der Energie (die in den Wechseljahren eh nicht unbedingt haufenweise vorhanden ist) und führt noch mehr zu dem Gefühl, allem hilflos ausgeliefert zu sein.

Die richtigen Stichworte hier sind Sicherheit und Selbstwirksamkeit. Denn was du tun kannst, um gelassener durch diese Übergangsphase zu gehen, ist es, dem Nervensystem wieder Sicherheit zu geben, über entsprechende Regulation. Dazu habe ich bereits einen Beitrag mit konkreten Methoden geschrieben: 13+ Möglichkeiten, um dein Nervensystem zu regulieren.

Den nächsten Beitrag widme ich genau diesem Thema: Wie du dir Sicherheit in den Wechseljahren zurückholst. Trag dich in meinen Newsletter ein, damit du ihn nicht verpasst, denn dort erhältst du immer alle neuen Beiträge von mir bequem per Mail in dein Postfach.

Aus diesen Gründen gehe ich jetzt in der Tiefe nicht auf das Thema Nervensystemregulation ein, da es noch kommen wird. Aber was ich dir sagen kann: Wenn du merkst, dass Nervensystemregulation wirkt, kommt auch das Gefühl zurück, nicht allem hilflos ausgeliefert zu sein. Dieses Gefühl von Selbstwirksamkeit ist der Gegenentwurf zum Kontrollverlust. Nicht Kontrolle, sondern Vertrauen darauf, dass du es trotzdem schaffst.

Fazit: Du verlierst nicht die Kontrolle – du verlierst den Boden

Die Wechseljahre fühlen sich wie Kontrollverlust an, weil sie es in gewisser Weise auch sind. Der Körper folgt nicht mehr denselben Regeln. Die Emotionen auch nicht. Und das Ich, das man jahrelang kannte, ist gerade dabei, sich neu zu erfinden.

Aber Kontrollverlust bedeutet nicht Hilflosigkeit. Es bedeutet, dass das alte Skript nicht mehr funktioniert – und dass ein neues gerade geschrieben wird. Langsam, im Nebel, manchmal frustrierend langsam. Aber es entsteht.

Was du tun kannst, während es entsteht: Deinem Nervensystem Sicherheit geben. Nicht Kontrolle, sondern Sicherheit. Das ist der Unterschied zwischen Erschöpfung und Resilienz. Zwischen dem Gefühl, allem ausgeliefert zu sein und dem Gefühl, es trotzdem irgendwie zu schaffen.

Wenn du heute direkt einen ersten Schritt machen möchtest: Hol dir meinen kostenlosen Guide „Stress-S.O.S. in den Wechseljahren“ mit drei konkreten Übungen, die in weniger als 60 Sekunden dein Nervensystem aus dem Alarmmodus holen.

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Namasté
Deine Claire

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