Ich bin froh, dass über die Wechseljahre mehr geredet wird. Bis vor wenigen Jahren war dieses Thema noch tabu und hat erst in den letzten Jahren großen Aufwind erhalten. Zurecht, denn die Wechseljahre sind nicht für alle Frauen ein lockerer Spaziergang.
Ja, Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine natürliche Phase im Leben einer Frau, genauso wie die Pubertät. Das heißt aber nicht, dass diese Phase keine Beachtung verdient.
Wenn wir also über die Wechseljahre reden, befinden wir uns immer in einem Spannungsfeld und auf einem schmalen Grat. Und von diesem möchte ich heute sprechen und meine Haltung deutlich machen. Denn ich möchte als Frau weder kränker gemacht werden als ich bin – und schon gar nicht als „Mangelwesen“ wahrgenommen werden. Ich will aber gleichzeitig ernst genommen werden mit meiner Situation und meinen Symptomen.
Es gibt bei diesem Thema kein Entweder-Oder. Sondern ein Sowohl-als-auch.
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ToggleWechseljahre = Phase des Umbruchs
Ich werde von nun an die Wechseljahre immer wieder mit der Pubertät vergleichen, weil diese beiden Phasen sehr viel gemeinsam haben:
- Es sind Phasen mit starker hormoneller Veränderung.
- Es sind Phasen, in denen der Körper sich auf eine neue „Realität“ einstellen muss.
- Es sind Phasen, die stark auf die Identität, Gesundheit und Psyche wirken können.
- Es sind vulnerable Phasen, in denen es ungünstige Entwicklungen geben kann.
Wie du siehst: Ich rede hier oft von „Können“ und nicht „Müssen“. Denn nur weil der Körper sich umstellt, heißt es nicht automatisch, dass es zu Problemen kommen muss.
Aber, und das möchte ich ausdrücklich hervorheben: Es sind Phasen, in denen es mächtig ruckeln kann, wenige Steine auf den anderen bleiben, sich innerlich wie äußerlich einiges verschiebt. Es sind also Phasen von Veränderung und aus Nervensystemsicht sind Veränderungen erstmal etwas, das die innere Sicherheit und Stabilität wackeln lässt.
Daher sind auch die Wechseljahre für viele Frauen eine Phase, durch die man nicht unbedingt einfach so hindurchgleitet. Ja, es gibt sie, die Frauen, die einfach durchrutschen und nichts oder nicht viel merken. Und dann gibt es die Frauen, bei denen sich alles verändert, die leiden ohne Ende und die sich mühsam durch diese Phase schleppen. Und es gibt alles dazwischen!
Die Wechseljahre sind also keine „Entweder-Oder“-Phase, sondern eine Phase, in der jede Frau ein anderes Erleben hat, abhängig von vielen verschiedenen Faktoren.
Wechseljahre sind keine Krankheit, brauchen aber Aufmerksamkeit
„Da müssen Sie halt durch.“ war sehr lange eine Aussage von Ärzt:innen Frauen in den Wechseljahren gegenüber und ist es manchmal immer noch.
Und genau diese Aussagen machen mich wütend! Denn wie ich gerade erwähnt habe, sind die Erfahrungen von Frauen in den Wechseljahren breit gestreut. Allen Frauen, und vor allem denen, denen es nicht gut geht, also zu sagen „Da müssen sie halt durch.“ ist nicht nur arrogant, sondern unmenschlich.
Ja, Wechseljahre sind keine Krankheit. Da gebe ich Menschen, die das sagen, durchaus recht. Wechseljahre machen Frauen auch nicht zu Mangelwesen oder zu minderwertigen Mitgliedern unserer Gesellschaft. Und wie schon erwähnt, gibt es die Frauen, die mühelos durch diese Phase gleiten. Es wird immer wieder von einer Drittelung gesprochen: 1/3 hat keine Symptome, 1/3 leichte bis mittlere und 1/3 schwere. Wenn diese Zahlen stimmen, dann bedeutet das aber auch, dass 2/3 aller Frauen Symptome haben, und wenn es „nur“ leichte sind. Aber auch die können belastend sein. Wollen wir diese Frauen einfach ignorieren?
Natürlich ist es ein schmaler Grat, den wir hier beschreiten. Ein schmaler Grat zwischen einer Pathologisierung der Wechseljahre einerseits und Ignoranz und Gaslighting andererseits. Pathologisierung bedeutet, dass die Wechseljahre eben doch als Krankheit oder Defekt wahrgenommen werden, während es bei Gaslighting um das berühmte „Da müssen Sie halt durch.“ und „Stellen Sie sich nicht so an, das sind nicht die Wechseljahre. Sie sind einfach nur gestresst.“ geht, also ein Absprechen, Negieren und Ignorieren vorhandener Symptome und ein Verhindern einer adäquaten Behandlung.
Die Diskussion über die Wechseljahre sollte daher nie in eins der beiden Extreme gehen. Sondern immer beinhalten, dass beides gleichzeitig wahr ist: dass die Wechseljahre keine Krankheit sind, und gleichzeitig eine Phase, bei der ggf. etwas Hilfe und Unterstützung gefragt ist. Sie braucht also kein Ignorieren und auch kein Pathologisieren, sondern Bewusstsein und Aufmerksamkeit.
Wissen ist Macht – auch bei den Wechseljahren
Wobei wir beim nächsten Punkt sind. Denn über die Pubertät gibt es – völlig zurecht – in der Schule eine entsprechende Aufklärung. Dabei geht es nicht nur darum, Kinder und Jugendliche über Sexualität aufzuklären, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Es geht auch darum, dass die Jugendlichen lernen, was in der Pubertät auf sie zukommt, um sich selbst und andere in dieser Phase des Lebens besser zu verstehen.
Es gibt ja sogar nicht wenige Informations- und Hilfsangebote für Kinder und auch ihre Eltern und auch das wieder völlig zurecht. Denn in dieser vulnerablen Phase kann sich so einiges verschieben und auch manchmal ungünstig entwickeln. Da sagen wir doch auch nicht „Ach, da müssen wir nicht drüber reden.“ und „Stell dich nicht so an!“
Genau das Gleiche sollte auch bei den Wechseljahren geschehen und tut es ja auch glücklicherweise seit ein paar Jahren: dass dieses Thema mehr besprochen wird, damit Frauen wissen, was auf sie zukommen kann, woran sie die Wechseljahre erkennen, an welchen Stellschrauben sie drehen können und welche Auswirkungen die Wechseljahre in Bezug auf das Altern haben können.
Dieses Wissen alleine hilft schon mal, um nicht auf einmal völlig ratlos vor dem eigenen Leben und Körper zu stehen, die man beide nicht wieder erkennt. Informiert zu sein, was in dieser Phase möglicherweise auf uns Frauen zukommt, ist für mich die Basis, um ganzheitlich gesund, gelassen und glücklich durch die Wechseljahre zu gehen – und das möglichst selbstbestimmt. Und wenn das neuere Interesse an den Wechseljahren und die (mediale) Aufmerksamkeit dazu beitragen, wüsste ich nicht, was ich daran schlecht finden soll.
Der Vorwurf der Geldmacherei mit den Wechseljahren
Sobald ein Thema medial und gesellschaftlich mehr Aufmerksamkeit erhält, sind auch findige Geschäftsleute nicht weit. Und das meine ich erst einmal völlig neutral. Denn per se ist daran erst einmal nichts Schlechtes. Wenn irgendwo eine Nachfrage ist, ist es doch gut, wenn es dazu passende Angebote gibt. So funktioniert nun einmal unser Wirtschaftssystem.
Nun kommt auch immer wieder Kritik auf, dass das Geschäft mit den Wechseljahren ja ein Milliardenmarkt sei und es für eine natürliche Phase des Lebens nicht gerechtfertigt sei, dass man damit Geld verdient.
Ja, ich sehe sie auch, die Unternehmen, die einfach nur aufs Geldmachen aus sind und einfach nur aus Profitgründen auf den Zug aufspringen, jetzt (auch) was für Frauen in den Wechseljahren anzubieten. Spontan würde mir ein Yogamattenhersteller einfallen, der jetzt einfach normale Matten doppelt so teuer verkauft, nur weil er sie entsprechend als „Angepasst an Frauen in den Wechseljahren“ vermarktet. Diese fiktive Beispiel finde ich alleine, wenn ich nur in der Theorie darüber nachdenke, sehr abstoßend und unmoralisch. Und ich weiß, dass es Firmen da draußen gibt, die genau so etwas machen. Das ist verwerflich und lehne ich ab.
Aber: Ernst gemeinte und hilfreiche Angebote, die Frauen in den Wechseljahren eine echte Unterstützung bieten und es ihnen ermöglichen, leichter durch diese Phase zu kommen, finde ich gut und richtig und wichtig. Man würde doch auch nicht einer Coach, die sich auf Teenager und ihre Eltern spezialisiert hat, vorwerfen, dass sie mit dem Leid der Menschen ihr Geld verdient. Oder die Beraterin, die Schwangere durch die sensible Zeit der Schwangerschaft begleitet. Oder die Beratungsstelle, die Angebote für Menschen mit ADHS bereithält. Warum wirft man also Menschen, die sich mit ihren Angeboten an Frauen in den Wechseljahren richten, manchmal vor, sie seien nur auf Profit aus?
Ich finde es eher verwerflich, Frauen in den Wechseljahren im Regen stehen zu lassen, wenn sie wirklich Hilfe und Unterstützung benötigen. Ich wünsche jeder Frau von Herzen, dass sie ohne jegliche Probleme durch diese Zeit kommt und glücklich und zufrieden ist und bleibt. Die Realität ist aber teilweise eine andere und für diese Frauen muss es die Möglichkeit geben, dass sie entsprechende Unterstützung erfahren.
Chance vs. Ablehnung
Bleibt noch ein letztes Spannungsfeld – und das ist vielleicht das persönlichste. Nämlich dass die Wechseljahre für mich gleichzeitig eine echte Chance sind und manchmal einfach nur lästig und anstrengend.
Ich sehe die Wechseljahre tatsächlich als große Chance. Als Möglichkeit, sich von alten Ideen, Rollen, Erwartungen zu befreien, die nicht mehr zu einem passen (oder vielleicht auch nie gepasst haben). Die Wechseljahre sind eine Chance, sich mehr seinem wahren Selbst zuzuwenden, eigene Bedürfnisse (wieder) zu priorisieren, lernen nein zu sagen und sich abzugrenzen, mehr Standing zu entwickeln, die eigenen Prioritäten neu zu ordnen. Ich sehe die Wechseljahre als Einladung, in der Mitte des Lebens eine ehrliche Bestandsaufnahme zu machen, seine Ziele, Wünsche und Träume zu überdenken und Kurskorrekturen vorzunehmen.
Finde ich deswegen alles toll an den Wechseljahren, nur weil ich in dieser verletzlichen Zeit eine Chance sehe, sein eigenes Leben auf ein solides und vielleicht sogar solideres Fundament zu stellen als vorher? Nein! Ich könnte gut und gerne auf die Schlafstörungen verzichten, die mich immer wieder ereilen. Auf die Gewichtszunahme, die mich schon eine Kleidergröße gekostet hat. Auf die Stimmungsschwankungen und Energielosigkeit, die sich immer wieder breitmachen. Auf die Konzentrations- und Wortfindungsprobleme, die mich begleiten. Auf die wohl langsam auftauchenden Hitzewallungen, die ich zunehmend wahrnehme. Und auf alles andere, was noch kommen wird, was mir manchmal im Wege steht und einfach echt unangenehm und anstrengend ist.
Aber weißt du was? Es kann beides gleichzeitig da sein! Und vielleicht denkst du jetzt: „Das habe ich doch schon mal gehört.“ Das ist richtig, denn genau das habe ich auch beim Thema „Pathologisierung vs. Gaslighting“ angemerkt.
Und vielleicht ist das eben der zentrale Punkt: dass es nicht darum geht, ein „Entweder-Oder“ zu kreieren. Sondern ein „Sowohl-als auch“. Allerdings ist Ambivalenz etwas, das wir Menschen nur schwer aushalten können. Wir haben es gerne entweder schwarz ODER weiß, aber nicht beides gleichzeitig. Das mag unser Gehirn nämlich nicht sonderlich gerne.
Ich glaube aber, dass es umso wichtiger ist, diese Ambivalenz aushalten zu lernen. Auch hier kann meine „geliebte Nervensystemregulation“ ein wunderbares Werkzeug sein, um diesen Prozess des Lernens und Aushaltens zu unterstützen. Denn dabei lernen wir auch zusätzlich noch, dass alles mal ein Ende hat. Oder, um es mit den Worten einer persischen Redewendung zu sagen: „This too shall pass.“ (übersetzt: Auch das wird vorübergehen.) So wie die Wechseljahre irgendwann einmal vorübergehen und die meisten Frauen danach das höchste Zufriedenheitslevel in ihrem Leben haben.
Ressourcen für dich, um besser durch die Wechseljahre zu kommen
Wenn du wissen möchtest, welche Stellschrauben du in den Wechseljahren in der Hand hast – von Ernährung über Schlaf bis Nervensystemregulation – findest du hier auf meinem Blog viele konkrete Beiträge dazu. Wenn du lieber hörst statt liest, kannst du alle meine Beiträge auch als Podcast konsumieren. Und du kannst mit mir praktizieren: auf InsightTimer, wo du hauptsächlich Meditationen findest und auf meinem YouTube-Kanal, wo ich regelmäßig neue Yogaeinheiten veröffentliche.
Als ob das nicht genug wäre… 😉 Wenn du direkt mit einem ersten konkreten Schritt zu mehr Ruhe und Gelassenheit in den Wechseljahren starten möchtest: Mein kostenloser Guide „Stress-S.O.S. in den Wechseljahren“ gibt dir erste Werkzeuge an die Hand.
Und wenn du diese Phase nicht alleine angehen, sondern ganzheitlich und strukturiert begleitet werden möchtest: Bald startet mein Programm „G hoch 3 – Ganzheitlich gesund, gelassen und glücklich durch die Wechseljahre“. Trag dich jetzt unverbindlich auf die Warteliste ein und erfahre als Erste, wenn es losgeht und profitiere von einem besonderen Warteliste-Preis.
Denn informiert zu sein ist die Basis. Und den Rest? Den gehen wir gemeinsam an.
Namasté
Deine Claire

Namasté. Ich bin Claire, Yogalehrerin und zertifizierte Wechseljahreberaterin. Seit 2012 ist Yoga mein Anker, der mich heute gelassen durch den Hormon-Dschungel trägt. Meine Mission: Dich dabei zu unterstützen, die Wechseljahre nicht nur zu überstehen, sondern als kraftvolle Neuausrichtung zu erleben – ganzheitlich gesund, gelassen und glücklich.


