Warum ich mich entschieden habe, eine Trauma-Therapie zu machen

Warum ich mich entschieden habe, eine Trauma-Therapie zu machen

Heute wird’s persönlich – und zwar sehr! Ich habe mich nämlich entschieden, eine Trauma-Therapie zu machen und möchte dir heute davon erzählen.

Ich finde es wichtig, offen über solche Themen zu sprechen und ich schäme mich nicht dafür, zuzugeben, dass ich Unterstützung brauche und auch in Anspruch nehme. Denn mal ganz ehrlich: Ich unterstütze Frauen dabei, ihr wahres Selbst zu entdecken und zu entfalten. Was könnte es Besseres für mich selbst geben und auch die Frauen, die ich begleite, als meinem eigenen wahren Selbst noch näher zu kommen?

Und vielleicht bist du ja an einem ähnlichen Punkt in deinem Leben und mein Beitrag inspiriert dich, dich auch unterstützen zu lassen. Das ist nicht unbedingt mein Ziel. Aber wenn dieser Beitrag nur eine einzige Person zumindest zum Nachdenken bringt, ist das eine wundervolle Sache!

Ich finde es außerdem wichtig, diese Themen rund um psychische / seelische Gesundheit endlich aus der Tabuecke zu holen. Es wird immer noch zu wenig öffentlich darüber gesprochen und es wird Zeit, dass sich das ändert!

Ein letzter Grund, warum ich darüber schreibe: Eine ehemalige Kundin von mir, Sara Menzel-Berger aka die Technikelfe, hat vor Kurzem zu einer Blogparade zur psychischen Gesundheit im Online-Business aufgerufen.

Du hörst lieber anstatt zu lesen? Dann höre dir die Podcastfolge zu diesem Beitrag an!

Ich wollte ohnehin an dieser Blogparade teilnehmen und da die Entscheidung für die Trauma-Therapie passenderweise in den Zeitraum der Teilnahme an der Blogparade fällt, dachte ich mir: Dann soll das MEIN Beitrag dazu werden!

Deswegen öffne ich mich heute ganz weit und erzähle dir, was der Auslöser für diese Entscheidung war, was meine persönliche Geschichte mit Trauma ist, warum ich mich für eine Trauma- und keine “klassische” Psychotherapie entschieden habe und was ich mir davon verspreche.

Also: Open your heart and mind and let’s go!

Der Auslöser zu dieser Entscheidung

Seit Januar läuft meine wunderbare Coaching-Ausbildung nach der sog. NESC-Methode. Das ist eine körperorientierte Methode und man arbeitet viel mit dem Nervensystem, um es zu regulieren und dadurch Blockaden und alte Glaubenssätze aufzulösen.

(Das war jetzt ein Versuch, die Methode in Kurzform zu erklären, was nicht einfach ist, denn man muss die Methode einfach ERLEBEN, um zu verstehen, wie (hervorragend) sie funktioniert.)

Zu Beginn der Ausbildung wurden wir immer wieder darauf hingewiesen, dass sich durch die Arbeit mit den Nervensystem eine sog. Erstverschlimmerung einstellen kann.

Das bedeutet: Es wird erstmal alles schlechter, bevor es besser wird.

Ich dachte ja durchaus, dass ich meinen Sh*** doch ganz gut zusammen habe. Und sollte mich irren.

Denn – zugegebenermaßen nicht erst seit Beginn der Ausbildung – merke ich immer wieder, dass das doch nur begrenzt der Fall ist. Ich falle immer wieder in bestimmte Muster, habe teilweise krasse seelische Abstürze, die mich phasenweise lahm legen und mich in einen Freeze-Modus bringen. Da geht dann einfach gar nichts mehr und ich strecke alle Füße von mir.

Nicht nur im Business ist das natürlich sehr hinderlich! Denn ein gezieltes Vorankommen ist so kaum möglich, wenn ich immer wieder ausfalle.

Gefühlt wurde das nun alles in den Turbo versetzt, seit ich die Ausbildung mache. Seitdem sind die Abstürze häufiger und teils auch heftiger geworden.

Da ich gleichzeitig merke, wie gut mir die Arbeit mit dem Nervensystem tut und wie viel sie bei mir bewirkt, war für mich jetzt klar, dass ich mich unterstützen lassen “muss” und vor allem will. Denn ich will die Dinge für mich klären, die offenbar noch ungelöst in meinem Nervensystem herum”wabern”.

Nach einigem Hin- und Her-Überlegen, ob ich mich nun einfach “nur” mit der NESC-Methode coachen lasse oder eine Trauma-Therapie machen will, die ebenfalls mit einer ähnlichen Methode arbeitet (das sog. Somatic Experiencing), habe ich mich für die Trauma-Therapie entschieden.

Warum? Weil ich für mich ganz klar sagen kann, dass ich Traumata in mir trage und ich die Therapie da nochmal kraftvoller und für den Moment sinnvoller finde.

Ich glaube zwar, dass auch die NESC-Methode mir schon enorm helfen würde. Ich spüre aber, dass manche Themen doch SEHR tief gehen und da möchte ich lieber einen Trauma-Experten ranlassen zu diesem Zeitpunkt.

Meine Geschichte mit Trauma

Und jetzt wird es so richtig persönlich. Denn ich drehe nun mein Inneres nach Außen und erzähle mehr über meine Geschichte mit Trauma.

Als erstes möchte ich einen klitzekleinen Ausflug in das Thema Trauma machen. Traumata führen dazu, dass sich Energie im Nervensystem anstaut, die kein Ventil findet., um sich zu entladen. Sie bleibt im Nervensystem stecken und sorgt dauerhaft dafür, dass das Nervensystem dysreguliert.

Die meisten Menschen, die das Wort “Trauma” hören, denken an die sog. Schocktraumata. Das sind Traumata, die aufgrund eines einzelnen, heftigen Ereignisses eingetreten sind. Dazu zählen z.B. Naturkatastrophen, Gewalterfahrung, Unfälle, Vergewaltigungen usw.

Es gibt aber auch die sog. Bindungs- und Entwicklungstraumata. Diese entstehen in der Kindheit aufgrund von Ereignissen, die sich meist über einen längeren Zeitraum hinziehen.

Ich kann klar sagen, dass bei mir ein Bindungs- / Entwicklungstrauma vorliegt oder sogar mehrere (ich weiß nicht, wie das “gezählt” wird).

Schon zur Zeit der Schwangerschaft meiner Mutter mit mir hatte sie Depressionen. Diese wurden nach meiner Geburt nicht wirklich besser. Damit waren meine Startvoraussetzungen schon mal… naja…

Im Babyalter tat meine Mutter dann das, was man zu der Zeit damals halt oft machte: Sie ließ mich schreien. Ich war wohl ein Schreibaby und aus lauter Überforderung ließ sie mich in meinem Körbchen in der Küche einfach durchschreien.

Kurz nach meiner Babyphase erkrankte mein Vater schwer an Krebs (zum ersten Mal in seinem Leben; das zweite Mal Krebs kostete ihn dann das Leben). Meine Mutter war weiterhin depressiv und so war in der Familie Überforderung, Stress, Existenzangst und sogar Todesangst vorherrschend.

Meine Eltern kümmerten sich bestmöglich um mich bzw. uns (ich habe noch einen Bruder), jedoch bezweifle ich, dass ich damals die Nähe und Verbundenheit erhielt, die ich als so kleines Kind eigentlich gebraucht hätte.

Mein Vater wurde irgendwann wieder gesund (zumindest körperlich), meine Mutter jedoch nicht, denn ihre Depressionen wurden nicht besser. Und dann kam noch im Alter von ca. 6 Jahren die Trennung meiner Eltern und der Auszug meiner Mutter aus dem gemeinsamen Zuhause hinzu.

Man sagt, dass die ersten 7 Jahre eines Lebens entscheidend sind für das weitere Leben und sich in der Zeit alle elementaren Sichtweisen über das Leben entwickeln und festigen.

Und diese ersten Jahre MEINES Lebens waren stark geprägt von Verlust, Verlustangst, teilweise Todesangst und Distanz.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich ergieße mich hier nicht in Selbstmitleid! Ich bin mir bewusst, dass es andere Menschen gibt, denen es noch schlechter geht oder ergangen ist. Das bedeutet aber nicht, dass meine Erfahrungen nicht zählen und ich mich “einfach mal nicht so anstellen” soll.

Für mich waren die Erfahrungen prägend und das erkenne ich daran, dass ich derzeit in Meditationen u.ä. verstärkt mir selbst als Kind in unterschiedlichen Altersphasen begegne und mich das fast immer zum Weinen bringt. Mir zeigt es: Da ist noch was ungelöst und das darf und will ich jetzt angehen.

Deswegen ist meine Erzählung über meine Kindheit kein “Oh mein Gott, was bin ich nur für ein armes Würstchen und alles war so furchtbar!” (denn es war NICHT alles furchtbar!). Es ist lediglich (für mich) eine Erklärung für meinen aktuellen Zustand.

Wichtig ist mir auch zu betonen: Ich mache meine Eltern keinerlei Vorwürfe! Ich weiß, dass sie mich von Grund auf geliebt haben und das Beste gegeben haben, was in dem Moment ging. Vor allem, seit ich selbst Kinder habe, verstehe ich, dass man als Eltern auch viel falsch machen kann, man aber nicht immer so handeln kann, dass es für die Kinder das Richtige ist.

Ich bin insofern fein mit dem Thema, dass ich meinen Eltern gegenüber keinen Groll habe für das, was sie getan oder nicht getan haben. Es war einfach so. Punkt.

Warum ich mich entschieden habe, eine Trauma-Therapie zu machenWarum ich mich für eine Trauma- statt einer klassischen Psychotherapie entschieden habe

Für mich ist klar: Das, was ich im Moment immer wieder erlebe und durchlebe, hat mit meinen Erfahrungen aus der Kindheit zu tun. Ich bin mir bewusst, dass da diese Traumata sind, die noch in meinem Nervensystem gefangen sind und an die will ich nun ran.

Ich habe in meinem Leben bereits drei “klassische” Therapien hinter mir. Ich WEISS um meine Probleme. Ich kenne meine Biografie. Ich muss nicht mehr in der Vergangenheit wühlen, um überhaupt zu verstehen, warum es mir so geht, wie es mir geht.

Das heißt nicht, dass mir ALLES bewusst ist. Ich für mich spüre aber ganz klar: Ein Nachdenken und ein bloßes kognitives Herangehen an diese Themen bringt mir nichts (mehr). Zur damaligen Zeit der Therapien war es das Richtige, weil ich Vieles erst einmal verstehen musste bzw. wollte.

Heute merke ich, dass mich das Nachdenken darüber nicht weiter bringt. Gerade durch die Arbeit mit NESC wird mir immer klarer, warum ein rein kognitiv ausgerichteter Ansatz für mich nicht (mehr) funktioniert.

Denn dadurch löst sich nicht unbedingt die Spannung aus dem Nervensystem. Die Bewusstheit über die Traumata KANN ein erster Schritt sein, muss aber nicht. Denn körperorientierte Methoden wie NESC und SE funktionieren auch, ohne dass es ein konkretes Thema geben muss.

Ich könnte also auch damit arbeiten, wenn ich mir meiner eigenen Geschichte nicht so bewusst wäre, wie ich es bin.

Hinzu kommt: Mir tut eine Methode wie NESC einfach gut (und SE geht, wie schon erwähnt, in eine sehr ähnliche Richtung). Wenn ich gecoacht wurde, was im Moment durch Übungscoachings mit anderen Teilnehmerinnen der Ausbildung immer wieder geschieht, merke ich, wie viel dadurch bei mir passiert.

Ich spüre, wie unglaublich heilsam diese Methoden sind. Ich spüre, wie gut sie mir tun. Ich spüre, wie ich dadurch ganz werde.

Ich muss nicht im Kopf in meiner Vergangenheit rum wühlen. Ich möchte lieber die in meinem Körper gefangene Energie aus meinem Nervensystem entlassen, indem ich gezielt damit arbeite. Da brauche ich den Kopf nicht für, nur den Körper. 😉

Deswegen habe ich mich für eine körperorientierte Methode zur Traumabewältigung entschieden statt eine klassische Gesprächstherapie o.ä. zu machen.

Was ich mir davon verspreche

Mir ist bewusst, dass ich durch die Therapie nicht als “vollständig Geheilte” herausgehen werde. Diese Illusion habe ich nach den 3 Psychotherapien überwunden bzw. verstanden, dass man nie wirklich “fertig” und “geheilt” ist.

Ich verspreche mir aber einen insgesamt besseren Umgang mit meinen Themen und dass ich dadurch meine inneren Abstürze frühzeitiger abfangen kann bzw. dass sie gar nicht erst so tief ausfallen, wie sie es teilweise tun.

Ich verspreche mir mehr Ganzheit durch die Therapie, ich verspreche mir, noch mehr bei mir anzukommen. Noch mehr Ruhe. Noch mehr inneren Frieden. Noch mehr WIRKLICH ICH sein.

Und ich verspreche mir, dadurch den Raum für Andere, die Gleiches oder Ähnliches durchmachen, besser halten zu können und noch besser für andere da sein zu können, egal ob das meine Kinder sind, Freunde oder auch meine Kundinnen.

Ich habe keine Angst davor, diesen Weg zu gehen. Ich bin derzeit eher im “Let’s do this”-Modus, vor allem seit nach Ostern die finale Entscheidung zur Trauma-Therapie für mich gefallen ist. Das hat viel Positives ausgelöst in mir, weil ich nun weiß: Es geht vorwärts!

“The only way out is through”. Das ist ein Satz, den ich mal im Programm für “Achtsames Selbstmitgefühl” kennengelernt habe. Und er hat beim ersten Mal lesen so gesessen, dass ich ihn seitdem nicht mehr vergessen habe. Vielmehr ist er zu einem meiner Lebensmottos geworden, das ich verinnerlicht habe und nach dem ich inzwischen lebe. Augen verschließen und so weiter machen bringt jedenfalls nichts und meist ist die Angst vor der Angst eh viel größer als die Angst selbst.

Deswegen: Es gibt nur einen Weg heraus, und der ist mitten hindurch!

Ausblick: Wie es für mich jetzt weitergeht

Derzeit bin ich auf der Suche nach einer Therapeutin, die mich in diesem Prozess unterstützt. Währenddessen werde ich selber weiter mit NESC arbeiten und die Methode mehr und mehr verinnerlichen sowie in meinem Business vorangehen – so wie es eben gerade geht. Wenn mal nichts geht: Auch gut. Dann darf auch das sein und ich kann das immer mehr akzeptieren.

Das ist das, was ich für mich und meine seelische Gesundheit (im Online-Business) mache. Und für mich ist das derzeit der beste und auch spannendste Weg, den ich gehen kann und auch will.

In diesem Sinne: See yourself. Be yourself. Free yourself.

Namasté
Deine Claire

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