In einem früheren Artikel habe ich bereits über den Wert und die Wichtigkeit von Gewohnheiten gesprochen und knüpfe heute daran an. Denn das kennen wir wohl alle: Selbst wenn wir wissen, dass eine Routine uns gut tut, kommen wir doch manchmal an den Punkt, an dem sie sich wie eine lästige Pflicht, wie ein Muss und ein weiteres To Do auf unserer eh schon überfüllten Aufgabenliste anfühlt. An diesem Punkt ist also Überforderung vorprogrammiert und es besteht die Gefahr, die Routine wieder aufzugeben.
Gerade in den Wechseljahren kann dieses Gefühl besonders intensiv werden: Wenn Hormonschwankungen das Nervensystem zusätzlich belasten, kippt eine wohltuende Routine schneller in Überforderung als gewohnt.
Eine kleine Anekdote aus meinem Leben
Auch ich kenne das nur zu gut. Vor einigen Monaten nahm ich mir vor, wieder mehr Sport zu machen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich eine tolle Routine in Bezug auf Yoga, machte aber kaum noch Ausdauersport. Yoga ist toll für die eigene innere Ruhe und Balance, aber für die Kondition macht es leider nicht viel.
Zu Beginn nahm ich mir vor, 3 Mal pro Woche Sport zu machen. Schon nach wenigen Wochen war ich aber unzufrieden, merkte inneren Widerstand und fühlte mich überfordert. Die neue Routine fühlte sich sehr gezwungen an und nicht wirklich angenehm.
Ich überlegte daher, woran dies liegt und da fiel mir auf, dass meine Yogaroutine dadurch gefährdet war. Ich kam kaum noch dazu, Yoga zu praktizieren und das war der Grund für meine Unzufriedenheit. Denn „mein“ Yoga ist mir wichtiger als vieles andere im Leben!
Also beschloss ich, den Sport auf zwei Mal pro Woche zu reduzieren, davon eine Einheit aufs Wochenende, wenn ich ohnehin meist kein Yoga mache. So würde unter der Woche nur eine Yogaeinheit dem Sport „geopfert“, ich käme dennoch auf zwei Sporteinheiten pro Woche insgesamt und ausreichend Yogaeinheiten.
Seit ich diese „Struktur“ für mich beschlossen habe, ist es für mich stimmig und es fühlt sich für mich nicht gezwungen an. Und dennoch bleibe ich flexibel, denn manchmal schiebe ich eine Sporteinheit auf einen anderen Tag oder statt Yoga mache ich manchmal nur eine Meditation. Diese Freiheit erlaube ich mir und damit geht es mir gut.
Meine 7 Tipps gegen Überforderung
Wenn du jetzt in einer ähnlichen Situation bist und eine Routine, die dir eigentlich gut tun soll, sich mehr wie ein Muss anfühlt, könnten dir diese 7 Tipps helfen:
1. Reflexionsfrage: Was erzeugt den Widerstand?
Als erstes kannst du dich fragen, woher der Widerstand gegen diese Routine kommt. Möglicherweise ist deine Routine (z.B. Laufen gehen) einfach nicht (mehr) dein Ding, oder du machst dir viel Leistungsdruck, der dir den Spaß an der Sache verhagelt.
Ich bin mal eine Weile gar nicht laufen gegangen, weil ich mich selber unter Druck gesetzt habe, bestimmte Zeiten erreichen zu müssen. Seitdem ich das aufgegeben habe und einfach laufe, um zu laufen, macht es mir wieder viel mehr Spaß.
Vielleicht ist bei dir der Grund der Überforderung ähnlich geartet – überprüfe für dich, was den Widerstand erzeugt! Diese Klarheit hilft dir, eine Lösung zu finden, die für dich passt.
2. Reflexionsfrage: Was brauche ich JETZT?
Eine weitere Reflektionsfrage geht in eine ähnliche Richtung: Frage dich, was du jetzt in diesem Moment brauchst! Vielleicht ist ja die Laufrunde heute nicht das Richtige für dich, aber dafür ein Spaziergang. Oder du verlegst deine Laufrunde auf einen anderen Tag, weil es dir heute nicht gut geht.
Wichtig ist, den anderen Tag gleich festzulegen und dann deine Einheit auch durchzuführen. Schließlich soll das Aufschieben kein Aufheben sein. 😉 Suche dir also eine alternative Aktivität oder einen anderen konkreten Zeitpunkt für deine Routine.
3. Bleib flexibel!
Punkt 2 schließt gleichzeitig mit ein, nämlich flexibel zu bleiben. Ich habe bspw. jeden Mittwoch Schwimmen in meinem Kalender stehen. Es kann aber sein, dass ich diesen Termin auf einen anderen Tag lege oder eine andere Aktivität mache, weil das einfach besser passt.
Erlaube dir also, flexibel auf deine Bedürfnisse zu reagieren und nicht „auf Teufel komm raus“ eine Aktivität durchzuführen, nur weil sie jetzt eigentlich ansteht. Möglicherweise verleidest du dir damit diese Aktivität erst recht!
4. Schließe einen Vertrag mit dir selbst!
Manchen Menschen hilft es, einen Vertrag mit sich selbst zu schließen. Dieses Commitment kann dir helfen, bei der Stange zu bleiben und deine Routinen als „unverhandelbar“ anzusehen. Denn wenn im Vertrag steht, dass du zwei Mal pro Woche Sport machst, dann ist es so!
Aber auch hier gilt wieder: Bleib flexibel und erlaube dir, die Sporteinheiten auch mal zu verschieben, ganz ohne schlechtes Gewissen!
5. „Zwinge“ dich sanft!
Es besteht ein großer Unterschied zwischen dem Gefühl, gerade keine Lust auf etwas zu haben und einen so großen Widerstand zu spüren, dass die anstehende Routine wirklich zu einem Muss wird.
Auch hier ist es wertvoll, wieder in dich hinein zu spüren und zu schauen, ob es wirklich Überforderung ist oder du einfach nur gerade keine Lust hast. Im letzten Fall hilft es, einfach loszulegen und dich sanft zu „zwingen“. Du wirst danach sicher froh sein, es getan zu haben!
6. Reflexionsfrage: Was ist gerade sonst in deinem Leben los?
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich bei mir meist dann ein Gefühl der Überforderung vor Routinen einstellt, wenn auf mich ganz viele Pflichten und Zwänge von Außen einströmen. Dann „setzt“ sich das Gefühl, dass alles in meinem Leben nur noch aus „Muss“ besteht, auch auf meine eigentlich wohltuenden Routinen.
Schau dir also dein Leben genau an und wie selbstbestimmt es sich gerade für dich anfühlt. Möglicherweise bist du gerade in einer Phase, in der du viele Dinge tust, die du gar nicht tun willst, was den Widerstand gegen deine Routine erzeugt.
Sollte dies der Fall sein, kannst du entweder schauen, ob du einige der Pflichten und Zwänge abgeben kannst oder ob ein anderer Blick auf sie möglich ist. Vielleicht kannst du dir ja lästige Aufgaben mit deiner Lieblingsmusik versüßen oder sie an andere Personen delegieren. Das nimmt wahrscheinlich schon sehr viel Druck raus!
7. Finde deinen Motivationstyp!
Ja, ich erwähne sie gerne, die US-amerikanische Autorin Gretchen Rubin. Ich bin zugegebenermaßen ein großer Fan von ihr und ihren Ideen und Konzepten.
Sie hat ein Quiz entwickelt, mit dem du deinen Motivationstyp herausfinden kannst. Es geht letztendlich darum, dass wir alle unterschiedliche Wege haben, mit inneren und äußeren Erwartungen umzugehen. Basierend darauf hat Gretchen Rubin ein Persönlichkeitsmodell entwickelt, das die Menschen in eine von vier Typen einordnet.
Zu wissen, welcher dieser Typen du bist, kann dir beim Dranbleiben helfen. Denn möglicherweise versuchst du ja derzeit, eine Strategie anzuwenden, die gar nicht deinem Persönlichkeitstyp entspricht. Das wiederum führt dann zu innerem Widerstand und dem Gefühl, dass die wohltuende Routine sich wie ein Zwang anfühlt.
Also, mach das Quiz und überlege dir basierend auf deinem Typ eine für dich funktionierende Strategie!
Dein nächster Schritt
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Fazit
Generell kann ich dir empfehlen, dich in Achtsamkeit zu üben. Wenn du merkst, dass eine Routine sich gezwungen anfühlt und du dich nicht wohlfühlst, hilft dir Achtsamkeit, diese Diskrepanz aufzudecken und evtl. auch aufzulösen. Denn Widerstand und Überforderung sind Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmig ist in diesem Moment.
Meine Lieblingstechniken für mehr Achtsamkeit sind, wie du dir vielleicht schon denken kannst, Yoga und Meditation. Es gibt jedoch noch andere Möglichkeiten, Achtsamkeit zu praktizieren.
Welche Möglichkeiten das sind, erfährst du in meinem Beitrag „13+ Möglichkeiten, um dein Nervensystem zu regulieren„.
Das Wichtigste ist: Lerne, auf deine Gefühle zu hören und Widerstände dafür zu nutzen, genauer hinzuschauen. Wie du das konkret trainieren kannst, zeige ich dir in meinem Beitrag „Sich selbst spüren: 11 Übungen zur Verbesserung deiner Körperwahrnehmung„.
Und vielleicht helfen meine Tipps dir ja dabei, zukünftig etwas genauer hinzuschauen – damit sich deine Routinen nicht wie eine lästige Pflicht anfühlen, sondern wie das, was sie sind: Selbstfürsorge, die dir in den Wechseljahren wirklich nützt. 🙂
Was hast du vielleicht schon mal probiert, um die Überforderung vor einer Routine aufzulösen? Welcher dieser Tipps ist besonders hilfreich für dich, den du beim nächsten Mal ausprobieren möchtest? Hinterlasse mir einen Kommentar!
Viel Spaß beim Ausprobieren der Tipps!
Namasté
Deine Claire

Namasté. Ich bin Claire, Yogalehrerin und zertifizierte Wechseljahreberaterin. Seit 2012 ist Yoga mein Anker, der mich heute gelassen durch den Hormon-Dschungel trägt. Meine Mission: Dich dabei zu unterstützen, die Wechseljahre nicht nur zu überstehen, sondern als kraftvolle Neuausrichtung zu erleben – ganzheitlich gesund, gelassen und glücklich.


