Meditieren für den Frieden – was soll das bringen?

Meditieren für den Frieden – was soll das bringen?

Eigentlich sollte an diesem Tag ein anderer Beitrag von mir erscheinen. Aber aufgrund der aktuellen Ereignisse in der Welt, wurden auf einmal ganz andere Dinge wichtig.

Gleich am 1. Tag der Angriffe auf die Ukraine hatte ich das Bedürfnis, konkret etwas zu tun. Ich bin nicht vor Ort und kann den Ukrainern daher nicht unmittelbar helfen. Aber ich kann das, was ich am besten kann, für die Menschen tun: einen Raum geben zum Sein, einen Raum, in man gemeinsam diese schwierigen Zeiten bewältigt.

Also bot ich eine Meditation für Frieden und Liebe an und es kamen spontan auch ca. 8 Leute am gleichen Abend in meinen Zoom-Raum.

Kurz danach las ich einen Post auf Instagram, der in die Richtung ging (ich kriege es nicht mehr 100% zusammen, daher eine Wiedergabe aus meinem Gedächtnis): “Was sollen denn diese Meditationen für Frieden bringen? Das ist nur Eso- und Spiri-Kram. Das Einzige, das hilft ist: Engagiert euch politisch!”

Zugegeben: Das hat mich persönlich getriggert und dazu veranlasst, diesen Beitrag zu verfassen, weil ich das in Teilen einfach anders sehe.

Während ich denke, dass ein Teil dessen durchaus richtig ist (jedenfalls sollten wir nicht die Augen verschließen, was passiert und schauen, was wir aktiv tun können z.B. spenden), halte ich den anderen Teil der Aussage für falsch.

Und das werde ich jetzt mal ganz unesoterisch und unspirituell und stattdessen wissenschaftlich erklären, warum es so wichtig ist, damit anzufangen, Frieden in uns selbst herzustellen, BEVOR wir irgendetwas Anderes tun.

Putin und sein Nervensystem

Dieser Tage habe ich außerdem den Spruch gelesen:

“Hurt people hurt people.
Healed people heal people.”

Zu Deutsch: Verletzte Menschen verletzen Menschen, Geheilte Menschen heilen Menschen. Und das ist EXAKT das, worum es hier geht.

Ich zäume an dieser Stelle mal das Pferd von hinten auf.

So wie ich es verstanden und den Medien entnommen habe, hat Putin nie den Zusammenbruch der Sowjetunion “verarbeitet”. Das ist natürlich nur eine Vermutung, die schwer belegbar ist, denn niemand kann in seinen Kopf schauen. Du wirst aber sicher gleich verstehen, warum die Aussage im Grundsatz nicht so falsch sein kann (wobei es egal ist, ob seine Ansichten aufgrund des Zusammenbruchs der Sowjetunion oder erst im Laufe der Jahre aufgrund anderer Ereignisse entstanden ist – das Ergebnis ist das Gleiche!).

Bleiben wir also mal bei der Annahme, für Putin war das ein absoluter Wendepunkt im Leben, den er nie so richtig verwunden hat. Er ist also verletzt. Er fühlt sich angegriffen. Und um sich zu verteidigen, greift er wiederum an.

Das ist exakt das, was passiert, wenn ein Trauma vorliegt im Nervensystem. Unser Nervensystem ist dafür ausgelegt, unser Überleben zu sichern. Gibt es eine Bedrohungssituation, schaltet das Nervensystem auf Aktivierung und löst den Kampf- oder Flucht-Reflex aus. D.h. wir Menschen fangen an, uns entweder zu verteidigen oder der Situation zu entfliehen.

Können wir diese Reaktion nicht ausleben, bleibt sie im Körper und schlägt zu bestimmten Anlässen immer wieder aus. Wenn wir uns nicht bewusst damit auseinander setzen, ändert sich daran auch nichts.

Was also hier passiert in meinen Augen ist: Putin ist zutiefst verletzt, er hat ein Trauma erfahren, das ihn in seiner Kampf- oder Flucht-Reaktion (in diesem Fall leider Kampf) gefangen hält. Würde er sich mit diesem Trauma auseinander setzen, würde er erkennen, dass er aus dem Überlebensmodus heraus agiert, der klares Denken unterbindet und ihn aggressiv werden und handeln lässt.

Was das mit den Friedens-Meditationen zu tun hat

Und jetzt kommt der Link zu den Friedens-Meditationen, die teils so stark kritisiert werden. Wir alle können Putin oder generell andere Menschen nicht ändern. Das ist unmöglich!

Die einzige Person, die wir ändern können, ist uns selbst. Und genau da setzen die Meditationen an. Wir können dafür sorgen, dass wir unsere eigenen Traumata, die in uns liegen (und die haben wir alle), anschauen und heilen. Denn Heilung bedeutet, inneren Frieden herzustellen.

Oder wieder aus Sicht des Nervensystems gesprochen: Wenn wir lernen, unser Nervensystem zu regulieren und die Trigger ( = Auslöser), die uns in den Kampf- oder Fluchtmodus bringen, anzuschauen und aufzulösen, kehrt unser Nervensystem in den Zustand der Balance zurück. Und in diesem Zustand gibt es keine Aggression. Das ist schier unmöglich.

Methoden wie Yoga und Meditation bewirken genau das: Dass wir wieder in die Balance finden, heilen können und inneren Frieden erfahren. Wenn du schon mal Yoga gemacht oder meditiert hast, wirst du sicher selbst erlebt haben, wie friedlich und entspannt du dich danach fühlst und dass du nicht den geringsten Impuls verspürst, jemand anderem Schaden zuzufügen.

Im Gegenteil: Indem du friedlich bist, bringst du diesen friedlichen Zustand in deine Umgebung und du gehst ganz anders mit den Menschen um, die sich darin befinden.

Nein, niemand kann Putin (oder irgendwen anderes) aufgrund der eigenen Meditation dazu bringen, von seinen Aggressionen abzulassen. Das wäre vergebene Mühe und würde uns nur noch machtloser und hilfloser fühlen lassen.

Aber wenn wir bei uns selbst ansetzen, können wir uns selbst und unserem direkten Umfeld etwas Gutes tun. Und das trägt sich weiter. Wenn ich in der Ruhe bin, ist die Chance viel höher, dass auch die Leute in meiner Umgebung in die Ruhe finden (das nennt sich Co-Regulation des Nervensystems und ist auch bereits eine erforschte Tatsache), die es wiederum an andere Menschen in ihrer Umgebung weitergeben usw.

Wenn also viele Menschen anfangen, in den inneren Frieden zu gehen, hat das Auswirkungen auf so viele andere Menschen. Und DADURCH können wir dafür sorgen, dass mehr Frieden in der Welt herrscht, weil sich der friedliche Zustand immer weiter ausbreitet. Außerdem agieren wir dann, wenn wir bspw. politisch aktiv werden, aus einer ganz anderen Haltung heraus.

Stell dir mal vor, du bist selber im aktivierten Zustand und sagst “Ich will diese blöde Friedens-Meditations-Kacke nicht, ich will Tatsachen schaffen.” Dann bist du auch in keiner anderen Energie (und dieses Wort meine ich sowohl spirituell als auch nicht spirituell) als Mister Putin.

Wenn du aber dafür sorgst, dass dein Nervensystem reguliert und idealerweise sogar in einem entspannten Zustand ist, handelst du viel freier, entspannter und auch umsichtiger. Denn dein Neocortex, der für logisches und rationales Denken zuständig ist, ist in einem entspannten Zustand deines Nervensystems aktiv, während er ausgeschaltet wird, sobald eine Bedrohung ansteht und dein Nervensystem in den Alarmzustand geht.

Und das ist es, was Meditationen für Frieden so wertvoll macht. Wenn du ZUERST dich in den Frieden bringst und DANN aus der Ruhe heraus handelst, profitierst nicht nur du, sondern alle anderen Menschen, mit denen du zu tun hast.

Nein, Meditationen für Frieden sind in meinen Augen kein esoterischer Quatsch. Sie mögen auf den ersten Blick sinnlos erscheinen. Denn was hat auf dem Kissen sitzen schon damit zu tun, dass ein Land angegriffen wird? Wenn du aber verstehst, wie dein Nervensystem funktioniert und dass eine Reaktion im aktivierten Zustand immer eine im wahrsten Sinne des Wortes kopflose Entscheidung ist, wirst du hoffentlich verstehen, warum eine Meditation für Frieden (oder auch allgemein) wichtig ist und von allen spirituellen Größen dieser Welt empfohlen wird.

Du darfst dich hilflos fühlen – das tue ich auch! Aber zu meditieren ist kein Akt der Hilflosigkeit und von “Ich flüchte vor der Realität”, sondern ein Akt der Selbstliebe und die beste Tat für die Welt. Denn wenn du friedlicher wirst, wird es auch die Welt um dich herum. Und wenn JEDER diese Verantwortung, die er für sich selbst hat, sehen und danach handeln würde, hätten wir die Probleme gar nicht, die wir haben.

Bin ich dafür, ausschließlich zu meditieren und sonst nichts? Nein! Ich plädiere durchaus dafür, dass du dich in den Bereichen engagierst, in denen du dich engagieren willst (so wie ich es auch bereits getan habe, indem ich gespendet habe – das ist MEINE Art des Aktivismus). Aber bitte aus einem Zustand der Ruhe heraus mit einem regulierten Nervensystem und nicht aus der eigenen Aggression heraus. Das nützt niemandem, sondern macht es nur schlimmer.

“Be the change you want to see in the world.”

Mahatma Gandhi

Und genau das ist es, worum es geht: Veränderung beginnt IMMER bei DIR SELBST und niemals bei anderen. Indem du Verantwortung für dich selbst übernimmst und dich erst einmal darum kümmerst, dass du innerlich friedlich bist, bevor du in die Aktion trittst, trägst du am meisten zum Frieden auf dieser Welt bei.

Und deswegen sind Meditationen für Frieden nicht unnötig und fehl am Platz, sondern essentiell, um echten Frieden in der Welt herzustellen.

“Frieden in mir. Frieden in der Welt.” Das ist der Satz auf einer Postkarte, die ich in einem buddhistischen Zentrum bei Köln mal bekommen habe. Seit ich sie habe, ist sie zum Leitmotiv in meinem Leben geworden.

Frieden beginnt in dir. Und von dort verbreitet er sich. Und wenn jeder Mensch dies tut und bei sich selbst anfängt, haben wir eine echte Chance auf Frieden. Denn friedliche und vom Trauma geheilte Menschen zetteln keine Kriege an. Das tun nur verletzte Menschen.

“Hurt people hurt people.
Healed people heal people.”

In diesem Sinne: Tue dir was Gutes, lerne, dein Nervensystem zu regulieren und die Welt wird sich verändern – erst im Kleinen, dann im Großen.

OM Shanti! 💖

See yourself. Be yourself. Free yourself.

Namasté

Deine Claire

 

P.S. Ich habe in diesem Beitrag keinerlei Quellen für meine Erklärungen zum Nervensystem angegeben. Schau dafür einfach auf Google z.B. mit dem Stichwort “Flucht oder Kampf” oder “Co-Regulation Nervensystem” und du wirst einschlägige Quellen finden, die das bestätigen, was ich hier geschrieben habe. Und das hat nichts mit Esoterik zu tun, sondern mit Wissenschaft.

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